Die Schlange der Besucher, die zur Museumsnacht ins Landesmuseum wollten, schien nicht abzureißen. (Foto: GÜNTER BAUER)
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat sich für den Erhalt der mehr als 6.000 mit öffentlichen Mitteln geförderten Museen in Deutschland ausgesprochen. «Wir brauchen sie alle», sagte Neumann am Montag bei der Eröffnung der Jahrestagung 2012 des Deutschen Museumsbundes in Stuttgart. Das gelte ebenso für die 150 Theater und 130 Orchester, die mit Staatsgeldern unterstützt würden. Die Ausgaben für die Kultur dürften nicht gekürzt werden.
Neumann sagte, «gerade in Zeiten der Globalisierung, in einer Zeit der Orientierungslosigkeit» sei es «töricht», bei der Kultur zu sparen. Vielmehr sollten sich die Menschen auf ihre Identität und ihre Werte besinnen. Dabei spiele die «gemeinsam gewachsene Kultur» eine wichtige Rolle.
Für viele Haushaltspolitiker sei es «verlockend», bei der Kultur zu sparen, sagte der Staatsminister. «Diese Versuchung ist groß, gerade in Krisenzeiten.» Schließlich gehöre die Kulturförderung nicht zu den Pflichtaufgaben wie Sozialleistungen oder der Straßenbau.
Zwtl.: Mehr Besucher in Museen als in Fußballstadien
Durch Kürzungen im Kulturbereich ließen sich keine Haushalte sanieren, sagte Neumann. «Das, was Sie einsparen, steht in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den Sie anrichten», appellierte Neumann an die Haushaltspolitiker.
Die Bedeutung der deutschen Museen zeige sich in den Besucherzahlen. Die Fußballspiele der Deutschen Bundesliga sähen jährlich 13 Millionen Menschen, die Museen kämen auf 109 Millionen Besucher, sagte Neumann. «Museen sind im wahrsten Sinne des Wortes populär.»
Die Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes steht unter dem Motto «Alle Welt im Museum? Museen in der pluralen Gesellschaft». Bei der viertägigen Veranstaltung wollen die rund 400 Teilnehmer unter anderem der Frage nach der Auswirkung der gesellschaftlichen Pluralität auf die Arbeitsbereiche des Sammelns und Vermittelns im Museum nachgehen.
Zwtl.: Süssmuth will Integration über Kultur
Den Eröffnungsvortrag am Montag hielt die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU). Sie sagte, das Thema Integration über die Kunst und Kultur müsse mehr in die Köpfe der Bildungsentscheider gelangen. Im nationalen Integrationsplan der Bundesregierung käme das Thema Museen nicht vor. Umso wichtiger sei es, dass es vom Museumsbund aufgegriffen wurde.
Man müsse die Menschen direkt nach ihren Bedürfnissen fragen und ihnen die Museen leichter zugänglich machen, forderte die Ex-Bundestagspräsidentin: «Wir sollten nicht unsere oft so erhabene Kultur zum Maßstab machen, sondern vielmehr eine Kultur des Umgangs zwischen Jung und Alt, Weiblich und Männlich und zwischen Menschen jeglicher Herkunft.»