Festmarken: 200 Jahre Grimms Märchen. (FOTO: DIMANSKI)
200 Jahre "Wilhelm Tell", 150 Jahre "Faust II", 100 Jahre Berliner Dom, 300 Jahre Franckesche Stiftungen, 50 Jahre "Lebenshilfe": Alles Anlässe für Briefmarken-Sondereditionen der Deutschen Post, deren Wettbewerbe die hallesche Grafikerin vielfach und fast schon routinemäßig gewinnt.
2009 ließ man sie gar "20 Jahre Friedliche Revolution", 2010 "20 Jahre Deutsche Einheit" feiern - dazwischen aber auch ohne Anlass mal die "Berühmten Deutschen Knabenchöre" oder "Deutsche Nationalparke". Und ab Freitag liegen gleich zwei neue Wertzeichen aus ihrer halleschen Werkstatt am Schalter: "200 Jahre Grimms Märchen" und "150 Jahre Deutscher Chorverband".
Die grafische Erscheinung der Briefmarke lebt auf ihrer bloß daumengroßen Bildfläche vom sinnhaften und eingängigen Bezug von Typografie und Bildelementen. Für die Bildwelt der Grimms Märchen gibt es da keinen Mangel an möglichen Motiven.
In Deutschland Ost wie West sind Märchen-Marken oft und gern aufgelegt worden. Ihre Szenen aus Rapunzel, Aschenputtel, bösem Wolf und so weiter haben sich erkennbar an das kindliche Publikum gewendet.
Barbara Dimanski hat diesmal das literaturgeschichtliche Ereignis bevorzugt: Sie zeigt auf ihrer 55-Cent-Marke den Innentitel der Erstausgabe der "Kinder- und Hausmärchen von 1812" und lässt darauf die bekanntesten Figuren in farbigen Scherenschnitten agieren - und selbst die sollen auch die Assoziation von Stockflecken ermöglichen, sagt sie.
Die stimmfreudig die Münder aufreißende Sängerschar auf der 85-Cent-Marke zum Deutschen Chorverband hat nicht zufällig einen Touch von Loriot. Zur Freude der Grafikerin erlaubte die Tochter des Komödianten und Cartoonisten, eine der beflissen intonierenden Herren aus dem Männergesangsverein zu übernehmen, den Loriot in einer Zeichnung auf die Schippe nahm. Drum herum hat sie ihre eigenen Gestalten, jung und alt, gruppiert. Sie stehen für die annähernd eine Million Menschen, junge wie alte, die in den insgesamt 23 000 im Verband zusammengeschlossenen Chören ihrem Alltag ein musikalisches Glanzlicht aufsetzen.
Freilich: Auch die werden mittlerweile lieber twittern, simsen oder mailen als einen Brief schreiben. Schade, schon wegen Barbara Dimanskis hübschen Marken.