Kaori Morito und Michael Sedlácek in «Der Tod und das Mädchen». (FOTO: WENZEL)
Wieder und wieder musste das Ensemble samt seinem sichtlich bewegten Chef Ralf Rossa an die Rampe treten, der zweiteilige Abend "Der Tod und das Mädchen / The show must go on" ist ein Erfolg geworden trotz seiner konträr erscheinenden Themenlage.
Beim genaueren Hinsehen allerdings fanden sich verblüffende Verbindungen. Den ersten Teil hatte Ralf Rossa der befreundeten Choreographin Anna Vita anvertraut. Die Ballettchefin des Mainfrankentheaters Würzburg schuf die Choreografie "Der Tod und das Mädchen" bereits 2006 für ihr Ensemble und hat sie nun für Halle bearbeitet und neu eingerichtet.
Dank ihrer immens großen Musikalität verbinden sich bei Anna Vita Klang und Bewegung auf kongeniale Art, die es ermöglicht, schwierige Geschichten wie diese geradezu leichtfüßig zu erzählen. Die uralte Geschichte vom Tod als Verführer und Liebhaber verankerte später ein Gedicht von Matthias Claudius und dessen Vertonung durch Franz Schubert im kollektiven Gedächtnis. Schubert, selbst am Ende seines kurzen Lebens von Todesgedanken heimgesucht, verwendet das Thema jenes Liedes noch einmal in seinem Streichquartett Nr. 14 in d-Moll. Diese Musik trägt nun auf geradezu geniale Art die Geschichte eines von seinen Eltern (Markéta Slapotová und Johan Plaitano) grausam unterdrückten Mädchens (Kaori Morito), das sich in eine Parallelwelt flüchtet. Dort trifft es einen imaginären Freund (Michael Sedlácek), der zum Liebhaber wird. Oder ist es doch der Tod, der sie verführt und ihr am Ende die Wahl lässt zwischen Tod und Leben?
Da bleiben Interpretationsmöglichkeiten für den Zuschauer, was einen Teil des Reizes dieser spannenden Choreographie ausmacht. Die schlichte, ebenso wie überwiegend die Kostüme in Grau gehaltene Bühne (Ausstattung Verena Hemmerlein) bot genug Raum für die fließenden Bewegungen.
Im zweiten Teil folgte scheinbar Gegensätzliches. Die energiegeladene Musik der Erfolgsband Queen mit der unvergesslichen Stimme von Freddy Mercury gab die Plattform für einen bukolischen bis burlesken Reigen der Lebensfreude ab. Rotierende Farbscheiben als Videoprojektionen (Anke Tornow) und die knallbunten, enganliegenden Kostüme versetzten in die 70er, die Bewegungen hatten zunächst etwas Sportliches.
Spätestens aber im vierten der elf Songs - "Who wants to live forever" - als Pas de deux getanzt von Marion Schwarz und Johan Plaitiano - schlug Ralf Rossa poetische Töne an und fand so den Bogen zum ersten Teil des Abends.
Nächste Aufführung am Samstag um 19.30 Uhr.