Es soll mehr Chefinnen geben. (FOTO: DAPD)
Frauenquote - das Thema ist seit Monaten ein mehr oder weniger großer Aufreger in der Politik. Dass mehr Frauen in Führungspositionen gehören, darüber sind sich die Verantwortlichen mitunter so einig, dass es schon unheimlich wirkt und vor allem misstrauisch macht. Angeblich wollen alle mehr Frauen in der Spitzenetage, nur wie dieses Ziel erreicht werden kann, das provoziert immer wieder Diskussionen. Dabei wird ein weiterer Gesichtspunkt völlig außer acht gelassen: Wie ist das eigentlich für die Angestellten, die damit leben und arbeiten müssen, dass ihr Boss eine Frau ist?
Genau damit beschäftigt sich ein Buch, das dieser Tage neu erschienen ist. In "Mein Chef ist eine Frau" sammelt die Journalistin Juliane Gringer - als freie Mitarbeiterin auch für die Mitteldeutsche Zeitung tätig - Erfahrungsberichte über die weibliche Seite der Macht. Eine Buch, das die Debatte um Frauenquoten in Spitzenjobs auf interessante Weise bereichert.
Zu Wort kommen sowohl Mitarbeiter, die unter Frauen arbeiten, als auch erfolgreiche Frauen, die es geschafft haben bis an die Spitze eines Unternehmens. Klar, dass diese acht Frauen unter ihrem echten Namen über ihre Erfahrungen sprechen. Dabei geht es wohltuend sachlich zu, kompetent und - wirklich - spannend. Kein Wunder, wenn sich Frauen wie Heidi Hetzer-Mackay, die Inhaberin von Opel Hetzer Berlin, oder eine stellvertretende Chefredakteurin von "Bild" äußern. Sie lassen sich in die Karten schauen, was ihre Auffassung von Macht, Unternehmensführung und Durchsetzungsstärke betrifft.
Nicht weniger interessant sind jedoch die Schilderungen aus der Sicht von "unten". Die Erfahrungsberichte von Männern und Frauen, die unter Chefinnen arbeiten, ähneln sich zwar, zeigen jedoch deutlich, dass die Autorin recht hat mit der Überschrift zu ihrem Vorwort: "Frauen sind schlechte Chefs. Männer auch." Sowohl diese Feststellung stimmt, als auch ihre Umkehrung - beweisen die Gesprächsprotokolle. Verständlich, dass sich die Mehrheit der Auskunft gebenden Mitarbeiter nicht mit dem wirklichen Namen in einem Buch veröffentlicht sehen möchte. Authentisch wirken die Schilderungen dennoch und schließlich finden sich auch einige Mutige, die mit ihrem tatsächlichen Namen über die Chefinnen reden.
Diese werden übrigens meist in positivem Licht geschildert, wobei nicht der Eindruck entsteht, dass das aus Kalkül geschieht. Eher wird deutlich, warum die jeweiligen Frauen auch wirklich gute Führungskräfte sind.
Unterstrichen werden Einschätzungen der Angestellten und Schilderungen der Chefinnen durch die Kommentare der Autorin am Ende jedes Protokolls. Juliane Gringer beweist, dass sie eine gute Beobachterin ist, die die Verhaltensweisen und Signale ihrer Gesprächspartner zu deuten weiß. Und die es sich auch traut, mit klaren Worten zu hinterfragen, Zweifel und Ansprüche anzumelden, die ihr wichtig und zeitgemäß erscheinen.
Vor- und Nachwort, letzteres beginnt übrigens mit dem Satz "Frauen können ziemlich gute Chefs sein . . .", sind nicht ohne Witz geschrieben. Der leicht ironische Zungenschlag zeigt vor allem eines: dass die Autorin weder bierernst noch larmoyant zur Sache geht, sondern zu einem gewichtigen Thema Gewichtiges zu sagen hat und sagen lässt. Und das wird Frauen - und Männer - wohl noch eine ganze Zeit beschäftigen.
Juliane Gringer: Mein Chef ist eine Frau, Erfahrungsberichte, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 240 S., 9,95 Euro