Fast 13.200 dieser Zusammenschlüsse tragen nach Angaben des Finanzministeriums gemeinnützigen Charakter, 500 mehr als noch vor fünf Jahren. Während der Landesheimatbund ein steigendes Interesse an der Mitarbeit in Heimat- und Kulturvereinen oder bei den Ortschroniken feststellt, klagt der Landeschorverband dagegen über Nachwuchsmangel.
In Sachsen-Anhalt ist es nach Angaben des Landeschorverbandes um den klassischen Schulchor schlecht bestellt. Ganz gleich ob an Gymnasien oder Grundschulen, es fehle das Interesse am gemeinsamen Gesang. Der Geschäftsführer des Landeschorverbandes, Hans-Jürgen Wetschke, sieht mehrere Ursachen für den negativen Trend. Neben der Gleichgültigkeit an Schulen seien es gerade auf dem Land lange Anfahrtswege, die nachmittägliche Proben fast unmöglich machten.
Zahl der Chöre gesunken
In den vergangenen fünf Jahren habe auch die Zahl der Verbandsmitglieder deutlich abgenommen. Gab es 2008 in Sachsen-Anhalt noch 414 organisierte Chöre sind es gegenwärtig 356. Gerade der traditionelle Männerchor scheint ein Auslaufmodell zu sein. Den Sängern dort gehe der Nachwuchs aus, sagte Wetschke. Die Überalterung sei augenscheinlich. Er beklagte das Sinken des Anteils junger Leute bei den gegenwärtig 12.400 Sangesfreudigen. Der Rückgang um fast 700 auf 1.750 im Vergleich zu 2008 sei „schlimm“.
Andere Erfahrungen machte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM), die in Sachsen-Anhalt auf mehr als 80 Kinderchöre verweist, die an Kirchgemeinden oder evangelischen Schulen existieren. Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth sieht trotz demografischer Einflüsse eine kontinuierliche Entwicklung. An der Hallenser Pauluskirche, am Magdeburger Dom oder in Salzwedel gebe es sehr „leistungsfähige und aktive“ Chöre junger Menschen. Dazu käme ein großes Interesse am Musizieren in den Posaunenchören. In ländlichen Regionen habe ein Prozess eingesetzt, bei dem sich Kirchenchöre zusammenschließen würden. Das sichere den Bestand der rund 300 Gruppen in der EKM in Sachsen-Anhalt.
Landesheimatbund sieht stabile Entwicklung
Im Landesheimatbund von Sachsen-Anhalt will man nicht von einer Nachwuchskrise sprechen. Geschäftsführerin Annette Schneider-Reinhardt verweist auf eine stabile Entwicklung in den gut 60 Mitgliedsvereinen mit ihren vielen Ortsgruppen. Sie blickt optimistisch auf die kommenden Jahre.
Vor allem im ländlichen Raum zeige sich seit etwa fünf Jahren eine neue Entwicklung, sagte Schneider-Reinhardt. Zunehmend gründeten Frauen und Männer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren Vereine, um etwas für das eigene Dorf und das direkte Lebensumfeld zu tun. Es sei ein Zukunftsmodell, wenn Vereine gerade auf dem Land zunehmend die Trägerschaft für Begegnungszentren oder historische Denkmale übernehmen würden.