Schloss Bernburg: Versteckt hinter Gerüsten im Anhalt-Jahr

14.05.2012 19:53 Uhr | Aktualisiert 14.05.2012 22:24 Uhr
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Gerüste am Christiansbau in Bernburg

Hereinspaziert! Der eingerüstete Christiansbau des Bernburger Schlosses soll das Museum aufnehmen. (FOTO: PÜLICHER)

Von Günter Kowa
Das Schlossmuseum in Bernburg benötigt mehr Raum - und ein tragfähiges Konzept. Zur Zeit werden Varianten diskutiert, die das Erbe der alten anhaltinischen Residenz sichtbar machen können.
bernburg/mz. 

Spürbar unwohl ist dem Bernburger Oberbürgermeister Henry Schütze (parteilos) beim Gedanken an die Abschlussveranstaltung, die seine Stadt am 20. Oktober für das Anhaltjahr ausrichten wird. Denn Bernburg trifft in diesem Jahr das Missgeschick in voller Härte, dass von allen Schlössern im einstigen Fürstentum ausgerechnet das eigene den Anschein völliger Unzugänglichkeit bietet. Das Bauwerk ist rundum eingerüstet für ein Sanierungsvorhaben, das 2006 begann und dessen Ende nicht abzusehen ist.

Dabei scheint Bernburg in diesem Jahr aus der Feierei nicht mehr aufzuwachen. Anhalt in Bernburg heißt auch Festwoche, Folk-Nacht, Klosterfest, Gartentage, Bassgeigengala, Schlossbergfest, Bergparade, Weinmarkt, Erntefest und Kultur-Markt. "Wir weichen auf die Straßen und Plätze aus", sagt Schütze, und das regelt denn auch das Organisatorische.

Aber Bernburg und sein Erbe hoch auf dem Felsen über der Saale? Da liegen die Probleme, schaut man genauer hin, nicht im Bauprogramm allein. Man wird den Eindruck nicht los, dass die Stadt vor lauter Gerüsten das Schloss tatsächlich nicht mehr sieht.

Es ist ja auch noch nicht so lange her, dass sie dafür die Verantwortung übernommen hat. Im "Krummen Haus" neben dem Torturm befindet sich das Schlossmuseum, das die Stadt erst vor drei Jahren zusammen mit dem "Eulenspiegelturm" aus der Hoheit des Landkreises übernommen hat. Und beim wichtigsten Renaissanceflügel (das "Lange Haus") ist zwar die Leitzkauer Schlösserstiftung, indirekt also das Land, Eigentümer und Bauherr, ebenso wie beim Christiansbau, errichtet 1895 in freier Kopie des historischen Vorgängers. Aber die Stadt ist langfristiger Mieter dieser Gebäude. Das setzt sie rechtlich in die Lage, Fördermittel einzuwerben. Zwei Millionen Euro wurden in den vergangenen zwei Jahren investiert.

Die Stadt möchte das Museum in den Christiansbau verlegen und nach und nach die Sammlungen aufarbeiten. Wie dringlich das ist, kann erkennen, wer die Dauerausstellung in ihrem aus der Zeit gefallenen Zustand der 60er-Jahre gesehen hat. Das ist das Ergebnis einer sträflichen Vernachlässigung unter der Ägide des Landkreises. Zwar haben die Direktoren einiges gesammelt, und Bernburgs archäologischer Fundus wird nur vom halleschen Landesmuseum übertroffen, zu sehen ist aber nur das wenigste, und das in altväterlicher Betulichkeit. Der von der Stadt neu eingesetzte Museumsleiter Roland Wiermann, von Haus aus Archäologe, hat angefangen, seine Schätze ins Internet zu stellen, aber für die erhoffte Neupräsentation am Ort gibt es noch keine gesicherte Finanzierung.

Es ist mehr als fraglich, ob die Stadt die Position des Hauses gestärkt hat, indem sie es ihrer "Freizeit GmbH" einverleibt hat. Da findet es sich mit Tierpark, Märchengarten, Parkeisenbahn, Schwimmhalle und Parkplätzen in einer Wundertüte von Marketing- und touristischen Aufgaben. Oberbürgermeister Schütze bestreitet, dass das Museum nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommt, aber festzustellen ist, dass es - als einziger derzeit offener Teil des Schlosses - zum Anhalt-Jahr außer der kulturhistorisch breit angelegten Eulenspiegel-Ausstellung nicht einmal seine eingeschränkten Möglichkeiten nutzt.

Denn während Restauratoren im Langen Haus derzeit die Renaissance unter zahllosen Umbauten freilegen, bleiben die epochalen Fürstenbildnisse von den Erkern der "Leuchte" in den Gewölben des Museums unter zig anderen Exponaten kaum auffindbar, darunter den Fantastereien der noch immer in Resten erhaltenen "Folter"-Ausstellung. Es überrascht daher nicht, dass Schütze zu den Plänen, die die Stadt für eine Einbeziehung des Langen Hauses in ein museales Konzept nur sagen will, sie seien "total ergebnisoffen" - was für die wieder gefundenen Hofstuben auch Gastronomie bedeuten kann.

Erschwerend kommt ein Rechtsstreit hinzu, den die Stadt derzeit mit ihrer Kulturstiftung austrägt. Nach der Wende von einem Bernburg-Heimkehrer gegründet und damals hoch willkommen, durfte sie ab 1995 Büro- und Ausstellungsräume im Christiansbau mieten. Die will sie nach dem Umbau behalten und pocht auf Bestandsschutz. Weil sie nicht weicht, sind die Bauarbeiten blockiert, die Fronten verhärtet. Stiftungsleiterin Angelika Böhlk verweigere Ausweichquartiere, sagt Schütze und spricht von "überzogenem Anspruchsdenken".

Kurioserweise hat die Stiftung all die Jahre genau die Forschungsarbeit gemacht, die das Museum unterließ. Sie hat eine eigene Sammlung aufgebaut und Tagungen zur Bauforschung veranstaltet. Sie ist die einzige Stimme in der Stadt, die ein Konzept einfordert und selbst auch vorgelegt hat zu einer umfassenden Darstellung von Bernburgs Beitrag zu Renaissance und Reformation. Zugleich ist aber auch nicht zu übersehen, dass die Stiftung neben Frau Böhlk fast nur noch aus einem Kern von ähnlich motivierten Familienmitgliedern besteht, der sich mit seinem selbst gestellten Auftrag politischen Abstimmungsprozessen entzieht. Ohne sich zu öffnen für neue Mitstreiter und einen Geist der Kooperation schwächt sie ihr Anliegen und stärkt diejenigen, die im Schloss nur einen Marketingfaktor sehen.

Das Museum ist geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr