Tango: Verloren in wundervoller Melancholie

01.07.2012 20:17 Uhr | Aktualisiert 01.07.2012 20:20 Uhr
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Von manuela schreiber
Dass dem Tango noch regelrecht unerhörte Seiten abgelauscht werden können, bewies das Trio Neuklang auf Einladung des Vereins "Straße der Musik e.V. Halle" im Rahmen seines Musikfestes "Unerhörtes Mitteldeutschland" am Freitagabend in Halles Ulrichskirche.
Halle (Saale)/MZ. 

Dass im Tango eine ganze Welt liegt, ja der Tango sogar ein eigenes Universum bildet, ist nichts Neues. Die Klischees sind bekannt, die standardisierten Rituale aus Distanz und Nähe ebenfalls. Dass dem Tango allerdings noch regelrecht unerhörte Seiten abgelauscht werden können, bewies das Trio Neuklang auf Einladung des Vereins "Straße der Musik e.V. Halle" im Rahmen seines Musikfestes "Unerhörtes Mitteldeutschland" am Freitagabend in Halles Ulrichskirche.

Dieses Festival folgt auch in seiner zweiten Auflage den Spuren bisher nicht gehörter oder in Vergessenheit geratener Musiken und deren Schöpfern quer durch Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Das Trio Neuklang aus Berlin nun bot mit seinem Programm "lost in tango" neben Klassikern wie dem herrlichen "Libertango" oder der Filmmusik zu "Sur" von Astor Piazolla noch nie gehörte, beinah ungeheuerliche Tangos aus den Motiven bekannter Kompositionen von beispielsweise Bach, Beethoven, Brahms oder Mozart.

Auf verblüffende Art hatte der Klarinettist Nikolaj Abramson für seine per se schon ungewöhnliche Trio-Besetzung (Akkordeon, Violoncello, Klarinette) Tango-taugliche Momente jener Klassik-Giganten zu Tage gefördert und so einander zugeordnet, dass diese Sequenzen nun wie originäre Tangos daher kamen. Die starke Rhythmik der Brahms'schen Ungarischen Tänze erwiesen sich als geradezu prädestiniert, in Tangoklänge umgeformt zu werden wie auch die fließende Moll-Melodik und bittersüße Melancholie in den Stücken von Schubert und Mendelssohn-Bartholdy. Die Musiker, noch dazu mit feiner Selbstironie agierend, spielten hinreißend auf der Gefühlsskala des Tango-Universums. Die dunkle Locke, die dem leidenschaftlichen Arthur Hornig am Cello immer wieder wirkungsvoll ins Gesicht fiel, gehörte ebenso dazu wie die aberwitzigen Fingerbewegungen von Jan Jachmann auf seinem Akkordeon oder das schelmische hervorblitzende rote Sakkofutter des Klarinettisten.

Zwei Zugaben erklatschten sich die kleine Schar hochinteressierter Zuhörer. Noch einmal verlor man sich in Tangoklängen, bevor es in Halles Kneipenmeile auf der Sternstraße sogar noch Tango zum Tanzen gab: Ein hallesches Tango-Studio nutzte den Augenblick für schrittsichere Eigenwerbung.