Bei einem Einsatz im Pfälzerwald wird Lena Odenthal von fünf jungen Straftätern als Geisel genommen. (v.l.n.r. Frederick Lau, Adrian Saidi, Ulrike Folkerts, Tómas Lemarquis, Edin Hasanovic, Theo Trebs.) (FOTO: SWR/PETER A. SCHMIDT)
837 «Tatort»-Episoden wurden seit 1970 produziert, da muss man sich als Drehbuchautor schon was einfallen lassen, um noch etwas Neues, Ungewöhnliches bieten zu können. Das Überraschende an der Folge «Der Wald steht schwarz und schweiget» (ARD, 13. Mai, 20.15 Uhr) ist das Setting: Der Film spielt fast komplett in den unergründlichen Tiefen des Waldes. Zwischen hohen Tannen, am Fuße eines Felsens, der den mythischen Namen Teufelskopf trägt, will eine Pilzsammlerin eine Leiche gesehen haben. Doch als Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) eintrifft, ist von einem Toten keine Spur zu finden. Doch bevor sie die Sache klären kann, ist sie in der Gewalt von fünf jugendlichen Straftätern, die aus einem knallharten Resozialisierungscamp geflohen sind.
Je länger sich die Gruppe, angeführt von dem unberechenbaren Tom (Frederick Lau), durch den sich kaum zu überschauenden Hochwald schlägt, desto angespannter wird die Lage. Während Lena Odenthal das Vertrauen ihrer Geiselnehmer zu gewinnen versucht, um die Hintergründe ihrer Flucht und das Schicksal des verschwundenen Toten zu ergründen, droht die Situation innerhalb der Gruppe zu eskalieren, weil Einzelne den physischen wie psychischen Belastungen nicht mehr standhalten können. Zusätzliches Konfliktpotenzial liefert ein plötzlich verschwundenes Handy, auf dem ein verräterisches Video abgespeichert ist.
Zwtl.: Interaktives Onlinespiel
Zwar kommt auch Drehbuchautorin Dorothee Schön nicht umhin, mit den langsam sich aufblätternden Lebensgeschichten der Straftäter auch den beinahe unvermeidlichen sozialpädagogischen Diskurs zum Thema Jugendkriminalität mitzuliefern. Doch dies geschieht überraschend dezent. Stattdessen konzentrierte sich Regisseur Ed Herzog darauf, Spannung aus der gefährlichen Gruppendynamik zu ziehen und den eindrucksvoll urtümlichen Wald in seiner bedrohlichsten Weise ins Bild zu rücken. Gedreht wurde zum Teil mit zwei mobilen Kamerateams parallel, «um die Physis stärker spürbar zu machen, als das sonst im 'Tatort' möglich ist und um die Anstrengung zu zeigen, den Schmutz und den Schweiß», erklärt Ed Herzog.
Mag sich diese 838. «Tatort»-Folge zwar erfolgreich von der klassischen Dramaturgie dieser Serie lösen können, am Ende ist dann auch dieser Fall gelöst, Kommissar Kopper (Andreas Hoppe ) darf sich als Meister des Pilzrisotto beweisen und man verrät nicht zu viel, dass Lena Odenthal die Tiefen des Pfälzer Waldes lebend verlassen wird. Ein ganz bestimmtes Detail allerdings konnte in den 90 Filmminuten nicht geklärt werden. Welches genau, können «Tatort»-Fans im Anschluss an die Ausstrahlung im Internet erfahren und dabei sogar selbst aktiv ermitteln. Möglich ist dies durch ein interaktives Onlinespiel, an dem man sich über die offizielle Internetseite-, Facebook- und Twitterseite des «Tatort» beteiligen kann.