Theater Dessau: Wo das weiße Kaninchen wohnt

17.06.2012 19:25 Uhr | Aktualisiert 17.06.2012 19:25 Uhr
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Joe Monaghan und Laura Costa Chaud

Joe Monaghan (Hutmacher) und Laura Costa Chaud (Alice) (FOTO: CLAUDIA HEYSEL)

Von manuela schreiber
Tomasz Kajdanski bringt in Dessau "Alice im Wunderland" als Ballett auf die Bühne.
dessau/MZ. 

Wer kennt sie nicht, die Abenteuer der "Alice im Wunderland"? All die absurden Figuren, die darin auftauchen? Die nichts tun, was in unserer realen Welt sinnvoll erscheint? Ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben sich Alice und ihre Freunde, das weiße Kaninchen mit dem Wecker um den Hals, der verrückte Hutmacher oder die Grinsekatze so wie etwa "Der kleine Prinz" oder auch "Grimms Märchen".

Lewis Carroll hatte diesen Dauerbrenner der phantastischen Literatur 1865 erstmals veröffentlicht. Seitdem ist das Interesse an der bildgewaltigen Auseinandersetzung mit einem kindlichen Traumerlebnis ungebrochen. Das Ballettensemble des Anhaltischen Theaters Dessau hat sich nun dieses Stoffes angenommen. In der Choreografie von Ballettchef Tomasz Kajdanski war am Samstagabend eine Uraufführung zu besichtigen, die sich vor allem als eine Produktion für die ganze Familie empfiehlt. Entsprechend jung war das Publikum und dieser Fakt kann als großes Plus des Stückes gelten. Von philosophischer oder gar tiefenpsychologischer Herangehensweise an diese bekannte Geschichte wird allerdings vollkommen abgesehen. Quasi eins zu eins werden Alices Abenteuer geschildert als Traumerzählung eines einsamen Kindes, das auf einer anderen Ebene viele Freunde findet und am Schluss sogar die strengen Eltern in seine Phantasiewelt zu führen vermag. Ein Märchen also. Allerdings hingebungsvoll getanzt, vor allem von der verblüffend mädchenhaft wirkenden Laura Costa Chaud in der Titelrolle.

Die Leichtigkeit ihrer Bewegungen, das Grazile ihrer Sprünge und der Witz im Nachahmen ihrer skurrilen Freunde verstärkte den kindhaften Charme. Ihr zur Seite brillierte Joe Monagham als Hutmacher in phantastischer Aufmachung (Dorin Gral, Kostüme und Bühne) und mit starker Tanzleistung. In dieser Figur geht der Choreograf sogar über Lewis Carroll hinaus, in dem er in dieser die aufbrechende Sexualität der Alice spiegelt und beide als Liebespaar anlegt. Ansonsten tummelt sich alles, was dazu gehört, jeweils mit eigenen charaktervollen Bewegungsmustern, sei es das weiße Kaninchen (Juan Pablo Lastras-Sanches), die grinsende Katze (Mélanie Legrand), die Raupe (Jonathan Angereau) oder die Königin der Spielkarten (sehr böse und sexy Anna-Maria Tasarz).

Die Bühne und deren recht schlichte Bauten boten als Augenschmaus eine optische Vertiefung durch die phantastischen Projektionen von Enrico Mazzi auf der Rückwand. Egal, ob als Sommerhimmel mit Da Vincischen Flugobjekten oder labyrinthischen, sich drehenden Kuben - hier gelang der wirkliche Eintritt in eine andere Welt. Die Musik verlieh dieser Ebene klangliche Tiefe. Sie kam live von der Anhaltischen Philharmonie mit Wolfgang Kluge am Pult. Passgenau folgte sie als spätromantisch-impressionistisches Pasticcio von Bizet bis Satie dem Handlungsverlauf und war ein weiterer Erfolgsgarant dieses vielbeklatschten Premierenabends.

Nächste Aufführungen: 24. Juni 16 Uhr, 1. Juli um 17 Uhr