Ultravox: Jubiläumswandertour durch Synthesizerlandschaften

15.06.2012 20:13 Uhr | Aktualisiert 16.06.2012 22:24 Uhr
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Ultravox

Midge Ure ist wieder da - mit seiner alten Band Ultravox. (FOTO: ARCHIV)

Von Steffen Könau
Nach 25 Jahren macht die Kultband Ultravox ein neues Album. Es gelingt den meisten gar nicht, manchen nur einmal, sehr wenigen öfter. Ultravox, schaffte es zumindest zweimal, die popmusikalische Ewigkeit zu berühren.
Halle (Saale)/MZ. 

Es gelingt den meisten gar nicht, manchen nur einmal, sehr wenigen öfter. Ultravox, die Band, die der gebürtige Schotte James "Midge" Ure Ende der 70er Jahre gemeinsam mit BassmannChris Cross, Keyboarder Billy Currie und Schlagzeuger Warren Cann gründete, schaffte es zumindest zweimal, die popmusikalische Ewigkeit zu berühren: "Vienna" hieß der eine Hit, der jedem, der ihn je gehört hat, unauslöschlich im Gedächtnis sitzt. "Dancing with tears in my eyes" ist der andere.

32 und 28 Jahre alt sind die beiden Songs, die Band dazu verschwand auch bereits vor einem Vierteljahrhundert. Doch wenn Midge Ure auf dem neuen Album "Brilliant", das das erste Studioalbum seit 1986 ist, die Stimme hebt, ist die Erinnerung sofort wieder da.

Dabei geben sich die vier Originalmitglieder, von denen nur Billy Currie die Ultravox-Fahne bis 1995 hochgehalten hatte, alle Mühe, ihren unverwechselbaren Sound in die Neuzeit zu transponieren. "Brilliant", in Originalbesetzung eingespielt, beginnt mit dem federnden Elektropop von "Live" und blendet dann über zum stählernd klingenden "Flow", das Midge Ures Überstimme mit U2-Gitarren kontert. Der Titelsong ist danach der hörbare Versuch, auch dem Formatradio ein Angebot zu machen: Die Welt hat sich geändert, singt Midge Ure zu weitläufigen Synthesizerlandschaften, "die Welt, in der Du etwas bedeutetest, ist verschwunden." Was aber hilft da? Midge Ure plädiert offenbar durchaus in eigener Sache: Ja, Du, tritt raus aus deiner Maske, es ist Zeit, die Zeit zu nutzen!

Das tun die vier reifen Herren hier konzentriert, nahe bei ihren Wurzeln, aber doch sanft vorwärtsorientiert. Dieses insgesamt erst sechsten Album der kunstsinnigen Brückenbauer zwischen Disko und dramatischem Elektropop zieht alle Register vom repetitiven Beat in "Rise" über die puren Klavierklänge von "Rembering" bis zum kunstliedhaften "One", das sich anhört, als sei es unter Wasser aufgenommen worde. Midge Ure, in der ein Vierteljahrhundert währenden Solokarriere vor allem als Soundtrackkomponist, Produzent und musikalischer Direktor für andere Künstler erfolgreich, ist hier auf heimatlichem Boden. Während mancher auf Pop gebürsteter Song im ersten Drittel des Comeback-Albums mit der alten Truppe anmutet, als wolle der 59-Jährige auf Teufel komm' raus noch einmal zurück in die Tage, als er mit kajalumrandeten Augen und langem Ledermantel den an der Welt leidenden Schmerzensmann gab, zieht hinten raus eine gewisse Gelassenheit ein, die der Musik gut tut. Hier und da bleibt der Beat mal aus, da und dort sind nicht alle Regler ganz oben und statt greller Scheinwerfer leuchtet eine Kerze. "Lie" etwa bleibt inhaltlich rätselhaft und in der Form ein kompaktes Stück Pop. Doch wie Maidge Ure dann den Refrain setzt, das erinnert deutlich an die unvergesslichen Momente von "Vienna".

Ultravox spielen live am 27. Oktober im Leipziger Haus Auensee