Urheberrecht: Zwischen Pranger und Kommunismus

15.05.2012 19:36 Uhr | Aktualisiert 15.05.2012 20:41 Uhr
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«Anonymous»-Aktivist mit Maske

Ein Aktivist der Hackergruppe Anonymous mit einer sogenannten Guy-Fawkes-Maske. Die Masken gehen auf den Film «V wie Vendetta» zurück, in dem ein maskierter Mann namens «V» gegen einen autoritären Staat kämpft. (FOTO: DPA)

Im Streit um das Urheberrecht im Internet wird heftig ausgeteilt. Künstler, Verleger und Internetnutzer stehen sich dabei gegenüber. «Anonymous» bediene sich Taktiken, die man aus totalitären Staaten kenne, warf ihnen Verleger Helge Malchow vor. Zuvor waren Kontaktdaten von über 50 Künstlern online veröffentlicht worden.
Berlin/dapd. 

Im Streit um das Urheberrecht im Internet wird weiterhin heftig ausgeteilt. Künstler, Verleger und Internetnutzer stehen sich dabei gegenüber. Die Netzaktivisten bedienten sich Taktiken, die man aus totalitären Staaten kenne, warf ihnen Verleger Helge Malchow im Deutschlandradio Kultur vor.

Die Verleger wollten die neuen Möglichkeiten des Internets nutzen. „Nur kann das nicht auf der Basis von 'Kinder-Kommunismus' geschehen“, bei dem Inhalte umsonst genutzt werden, weil das technisch möglich ist, sagte Malchow, Verleger bei Kiepenheuer & Witsch.

Zwtl.: Aktivisten veröffentlichen Adressen von Künstlern

Zuvor waren die Kontaktdaten von Kreativen, die sich für die Stärkung des Urheberrechts aussprachen, im Internet veröffentlicht worden. Aktivisten unter dem Banner der Netzbewegung „Anonymous“ hatten Adressen und Telefonnummern von mehr als 50 Künstlern zusammen getragen. Die Angegriffenen zeigten sich empört.

Doch auch Netzaktivisten sind uneins über die Aktion. Am Montag wurde eine einlenkende Stellungnahme veröffentlicht. Dort räumen die Aktivisten ein, dass die Veröffentlichung „auf den ersten Blick bedrohlich“ wirkte. Das Ziel sei jedoch Medienaufmerksamkeit gewesen.

„Fakt ist bei dieser Geschichte, dass niemand bedroht wird und Anonymous auch niemals dazu aufrufen würde, jemanden zu bedrohen“, heißt es in dem Schreiben. Anonymous ist eine lose Bewegung, der sich jeder anschließen kann. Daher können auch Einzelpersonen im Namen von Anonymous handeln. Das könnte auch hier passiert sein.

Zwtl.: Daten „von Wikipedia-Profilen kopiert“

Die Daten seien jedoch öffentlich zugänglich gewesen. Sie wurden „aus Online-Telefonbüchern, Wikipedia-Profilen und Impressen der Künstler-Webseiten kopiert“, schrieben sie. Registriert beispielsweise jemand eine Webseite, ist dessen Adresse über die zentrale Registrierungsstelle für Seiten mit einer „.de-Endung“ abrufbar.

Der Koordinator der Urheber-Aktion hatte die Veröffentlichung der Daten heftig kritisiert und von Bedrohung gesprochen. Auch der Deutsche Journalistenverband reagierte entsetzt. Durch die Aktion solle die Diskussion um das Urheberrecht abgewürgt werden.

Zwtl.: SPD plant Reformvorschläge

Inmitten der Debatte will die SPD kommende Woche eigene Reformvorschläge für das Urheberrecht vorstellen. Das sagte der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Klingbeil, am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Dabei soll es vor allem um die Bekämpfung von Plattformen gehen, auf denen Menschen illegal urheberrechtlich geschützte Inhalte herunterladen können. Gleichzeitig räumte er Versäumnisse ein. Die Politik sei seit drei Jahren untätig und „kommt zu spät“, sagte Klingbeil. „Da sind wir unserer Verantwortung nicht nachgekommen.“