Auf der Überholspur - Blau-Weiß Farnstädt (blaue Trikots) nimmt Kurs auf die Verbandsliga. (FOTO/ARCHIV: PETER WÖLK)
Die Geschichte vom gallischen Dorf ist jedem bekannt. Eine kleine Gemeinde setzt sich wieder und wieder erfolgreich gegen Römer zur Wehr, obwohl sie in der Anzahl der Kämpfer und der Ausrüstung haushoch unterlegen ist. Klar, das Geheimnis ist der Zaubertrank, der Bärenkräfte verleiht.
Nun liegt Farnstädt nicht in Gallien, noch gibt es da besonderes Wasser aus der Leitung. Auf Platz eins steht der Verein aber trotzdem. Und das gleich drei Mal. Die erste (Landesliga), zweite (Kreisliga) und dritte (2. Kreisklasse) Mannschaft grüßt vom höchsten Rang. Irgendwas muss also dran sein an diesem Verein, der die Farben Blau-Weiß im Namen und auf dem Wappen trägt.
Es wird gemunkelt, dass Dieter Schumann in den letzten Tagen noch breiter lächelt, als sonst schon. Seit dem vergangenen Wochenende ist klar, dass die zweite und dritte Mannschaft nicht mehr von der Tabellenspitze verdrängt werden können. Für die Zweite geht es also hoch in die Kreisoberliga, die Dritte spielt in der kommenden Saison in der 1. Kreisklasse. Die Krönung fehlt noch, ist aber vier Spieltage vor Saisonende möglich. Die erste Mannschaft zog in der Landesliga am VfB Imo Merseburg vorbei auf Platz eins. Und lacht sich ins Fäustchen.
Doch woran liegt es, dass sich ein Fußballdorf mit knapp 1 600 Einwohnern zu einem der erfolgreichsten im ganzen Saalekreis entwickelt? "Kontinuität", antwortet Dieter Schumann darauf. Der Abteilungsleiter sagt weiter, dass es nicht von ungefähr komme, dass man jetzt so erfolgreich sei. "Die erste Mannschaft spielt seit Saisonbeginn ohne Druck", so Schumann. Um ein vorhandenes Korsett an Spielern habe man genau die richtigen Verpflichtungen getätigt. So tummelte sich Blau-Weiß durchgängig im oberen Tabellendrittel. Der Abstiegskampf, der Farnstädt in den letzten Spielzeiten belastete, wurde nie zum Thema. "Durch den Erfolg haben die Spieler gesehen, dass ihr Einsatz etwas bringt, dass sie Potenzial haben", sagt Schumann.
Und es hat sich auch das Bild der Gegner zu Farnstädt geändert. "Es ist eben etwas anderes, wenn du als Zweitplatzierter anreist oder als Vorletzter", so Schumann. Farnstädt hat sich zu einer Hausnummer in der Landesliga Süd entwickelt. Der Respekt der Konkurrenz ist gewachsen.
Wenn überhaupt eine Mannschaft mit Aufstiegsambitionen in die Saison gestartet ist, dann war es die zweite. "Wir waren da schon in den letzten Jahren nah dran, hoch zu kommen. Es war schon das Ziel, den Ligaabstand zur ersten Mannschaft zu verringern", erzählt Dieter Schumann. Damit das Leistungsgefälle und der Sprung von der Zweiten zur Ersten nicht zu groß werden.
Nun könnte es also passieren, dass der Abstand doch gleich bleibt - weil Farnstädts Erste in der nächsten Saison in der Verbandsliga spielt. Darüber Gedanken gemacht hat sich Schumann noch nicht. Zumindest öffentlich. Zwölf Punkte sind noch zu vergeben, da kann viel passieren. Doch einen Vorteil zum VfB Imo hat Schumann ausgemacht: "Die setzen sich selbst unter Druck, die wollen unbedingt hoch. Und wir nehmen, was wir mitnehmen können."
Immer wenn die Gallier ihren übermächtigen Gegner besiegt hatten, feierten sie ein zünftiges Fest. Eine Aufstiegsfeier hat Dieter Schumann noch nicht geplant. "Das würden wir aber schnell organisiert kriegen", sagt er.