Zwei Vereine, eine große Chance: Sowohl der VfB Imo als auch der SV 99 können aufsteigen. (FOTO: PETER WÖLK)
Der Fußball in Merseburg befindet sich auf der Überholspur. Oder im Aufwind? Jedenfalls sieht es derzeit danach aus, dass die beiden größten Vereine der Stadt am Saisonende den Aufstieg feiern. Der VfB Imo Merseburg ist Tabellenführer in der Landesliga, der SV Merseburg 99 in der Landesklasse.
Doch spricht man die Verantwortlichen direkt auf den Aufstieg an, sieht man Kopfschütteln. Es ist nicht so, dass die Vereine nicht aufsteigen wollen - sie haben schlichtweg die Sorge, beim Verpassen des Aufstiegs zum Gespött zu werden. "Ich lasse mich nicht dazu hinreißen, darüber zu sprechen, dass wir schon durch wären", sagt Jörg Sachse. Der Trainer von Merseburg 99 will erst über den Aufstieg sprechen, wenn er "rechnerisch feststeht." Fünf Punkte beträgt der Vorsprung. Er glaubt: "Wenn ich mit so etwas früh an die Öffentlichkeit gehe, ist das nicht gut für die Spieler." Die Gefahr, dass sie im Gefühl des vermeintlich sicheren Aufstiegs ihre Leistung nicht mehr bringen, wäre zu groß. Zudem will Sachse den 1. FC Zeitz nicht zusätzlich motivieren. "Die spekulieren auf einen Ausrutscher von uns. Wenn ich da jetzt sage, wir steigen auf, schneiden die sich den Artikel aus der Zeitung aus und hängen den in der Kabine auf", so Sachse.
Das Ziel ist dennoch nur eines: die Qualifikation für die nächsthöhere Liga. Auch beim VfB Imo Merseburg, wo man sich auch noch alles andere als sicher wähnt. "Ich habe gehört, Farnstädt will auch hoch", erzählt Elias Englich. Der Abteilungsleiter Fußball beim VfB erinnert sich daran, dass der Konkurrent lange Zeit nur davon gesprochen hatte, den VfB so lange wie möglich zu ärgern. Doch fünf Spieltage vor Saisonende und nur drei Punkte zurückliegend, haben sich bei den Blau-Weißen die Ziele verständlicherweise geändert. "Doch wir schauen seit letzter Woche auch wieder auf Dessau", sagt Englich. Der SV Dessau 05 liegt nur fünf Punkte hinter der Spitze.
Die Punktverluste zuletzt gegen Elster (2:2) und Herrengosserstedt (1:1) erwecken den Anschein, dass die jungen Spieler des VfB, ähnlich der letzten Saison, auf der Zielgeraden das Nervenflattern bekommen. Doch Englich ist sich sicher, dass man mit Marco Imhof genau den richtigen Trainer hat, um diese Drucksituation zu meistern. "Er ist ein Fachmann, hinter dem die ganze Mannschaft steht", sagt er. Spricht man den Trainer auf besagtes Nervenflattern an, winkt der ab. "Nein, wir flattern nicht", sagt er, "fußballerisch hat die Mannschaft alles drauf. Es ist nur eine Frage des Kopfes." Der Psychologe Imhof ist derzeit also mehr gefragt denn je. Er selbst kann mit dem Druck gut umgehen. "Ich kenne die Materie, mich stört das nicht."
Gegen die Gegner am Samstag sind die Merseburger Clubs - wie sollte es anders sein - favorisiert. Der VfB spielt beim Tabellenelften FSV Bennstedt, Merseburg 99 beim Tabellenletzten BSC Laucha. "Die Spieler müssen aufpassen, dass sie nicht überheblich werden", sagt 99-Trainer Jörg Sachse. Er will an die Konzentration appellieren. "Wir denken nur an das Spiel." Genauso handhabt es Imhof beim VfB. "Der Fokus gilt nur Bennstedt. Alles andere interessiert mich nicht." Schaut man nicht mal, was der Nachbar in der Stadt so treibt? "Ich bin Trainer bei Imo Merseburg", antwortet Imhof. Auch Jörg Sachse, der Jahrzehnte beim Stadtkonkurrenten tätig war, zeigt öffentlich Desinteresse. "Ob die nun aufsteigen oder nicht, ist mir egal. Ich denke nur an unsere Truppe und unseren Aufstieg." Eines kann man sich sicher sein: Eine gemeinsame Aufstiegsfeier wird es bei diesen Vereinen nicht geben.