Spielbälle liegen auf dem Rasen. (SYMBOLFOTO: DPA)
Mit drei roten, zwei gelb-roten und 34 gelben Karten hat die B-Jugend der Spielgemeinschaft Sietzsch / Reußen die schlechteste Bilanz in der Fairnesstabelle der Fußball-Unionsklasse Saalekreis / Halle. Den letzten Platz in dieser Statistik belegen sie allerdings nicht. Denn wenn Mannschaften zu Punktspielen nicht antreten, wirkt sich das noch negativer auf die Fairness aus als die Vergehen auf dem Platz. "Ich finde das auch viel schlimmer", sagt der Sietzscher B-Jugendtrainer Thomas Kirsch. Doch mit diesem Ausspruch will er keineswegs die Flut an Karten seines Teams wegdiskutieren.
Als ein Fass, das am Überlaufen ist, beschrieb Jugendsportrichter Werner Kühn vor kurzem die Lage in der B-Jugendstaffel. 13 Sportgerichtsurteile wegen roter Karten in dieser Liga musste er schon bearbeiten. Und weil die SpG Sietzsch / Reußen mit drei Feldverweisen wegen grober Unsportlichkeit oder Schiedsrichterbeleidung zusammen mit der TSG Wörmlitz-Böllberg die meisten auf der Habenseite hat, sucht der Sportrichter das Gespräch. Nicht nur mit Trainern und Vereinsverantwortlichen, sondern auch mit den Spielern. Diese seien sehr positiv verlaufen, so Kühn. "Ich war erstaunt, welche Bedeutung der Vereinsvorstand der Sache widmet", so der Sportrichter. Und den Spielern sei erklärt worden, dass sie mit vollen Einsatz spielen sollten, aber alles in einem fairem Rahmen bleiben sollte. Von den drei roten Karten, die Sietzsch bisher kassiert hat, resultieren zwei aus der "Meckerei" seiner Spieler, sagt Kirsch. "In dem Alter sind die Jungs eben sehr diskussionsfreudig", meint der Vorsitzende des SV Sietzsch, Torsten Liebl. Schönreden wolle er das aber nicht. "Wir hatten Schiedsrichter, die waren etwa im gleichen Alter wie die Spieler. Die haben das super geregelt", erzählt Kirsch. Die Referees, die vor und während der Partie intensiv mit den Spielern reden, seien ihm am Liebsten. Aber es gebe eben solche und solche. "Wir müssen mit den Schiedsrichtern leben, die wir bekommen", sagt er. Zwei rote Karten wegen Meckerei, eine wegen Nachtretens: "Als der Spieler nach dem Foul vom Platz musste, hatte er Tränen in den Augen", sagt Kirsch.
Alkohol in der Mannschaftskabine werde in Sietzsch nicht geduldet, sagt der Vorsitzende Torsten Liebl. "Auch am Spielfeldrand gibt es das nicht", fügt Kirsch hinzu. Nach dem Umziehen höre sein Einfluss aber auf, dann sei jeder Spieler für sich selbst verantwortlich. "Aber natürlich sitzen wir nach dem Spiel auch noch zusammen. Das fördert das Mannschaftsgefühl", sagt Thomas Kirsch. Dass die Gespräche zur Fairness wahrscheinlich gefruchtet haben, bestätigt Sportrichter Werner Kühn. "Es sind in den letzten Wochen keine roten Karten in dieser Staffel hinzugekommen", sagt er.