Langsam wird es komisch - aber keiner lacht. Zum dritten Mal innerhalb eines dreiviertel Jahres hat eine asiatische Sportmannschaft, deren Besuch groß angekündigt und von den einladenden Vereinen akribisch vorbereitet wurde, einem Team aus Sachsen-Anhalt kurzfristig eine Absage erteilt. Die Herren-Fußballmannschaft der Malediven wollte nach Farnstädt kommen, die Basketball-Nationalmannschaft von Sri Lanka zu den Korbjägern des VfB Imo Merseburg, ein Fußball-Nationalteam der Frauen nach Döschwitz bei Zeitz - nix da, alle wurden versetzt.
Wenn man Matthias Matz, Verantwortlicher für den Frauenfußball beim Kreisfachverband (KFV), derzeit nach seinem Befinden befragt, bekommt man in der Regel als Antwort: "Stinksauer trifft es bestens." Der Grund für seine schlechte Laune ist eine E-Mail, die er vor ein paar Tagen erhielt.
Finanzieller Schaden entsteht
"Zu unserem großen Bedauern müssen wir Ihnen leider bestätigen, dass die Sri Lankische Damen-Fußballauswahlmannschaft die geplante Deutschland-Tournee nicht durchführen kann", heißt es dort lakonisch. Absender ist eine Agentur namens A.G.S.E.P., unter deren Regie die Tournee stattfinden sollte. Genau diese Agentur war auch Organisator bei den geplanten Spielen in Farnstädt und Merseburg. Für Matz und den KFV bedeutet das nichts anderes, als dass das Spiel gegen die Burgenlandauswahl am 14. September in Döschwitz geplatzt ist. Als Grund für die Döschwitz-Absage nannte man lediglich fehlendes Geld für den Flug nach Deutschland. "Was soll ich sagen? Es nervt eigentlich nur", sagt er. Denn die Absage kommt zum denkbar schlechtesten Moment.
Eigens für das Spiel wurde eine Auswahl berufen und trainiert am Donnerstag zum ersten Mal. Aber nicht nur das, auch finanziell dürfte sich die Absage für den KFV bemerkbar machen. Flyer wurden gedruckt, Eintrittskarten bestellt, sogar Trikots für das Spiel in Auftrag gegeben. Und das nun alles umsonst. Matz: "Bis jetzt ist es ein Verlust im mittleren dreistelligen Bereich. Ich weiß nicht, wie die sich das dort vorstellen."
Agentur nimmt Stellung
Ist diese Agentur A.G.S.E.P. denn überhaupt seriös? Am Mittwoch erreichte die MZ eine Stellungnahme von Kai Globig, Mitarbeiter bei A.G.S.E.P.: "Wir können die Enttäuschung und auch die aufkommenden Zweifel seitens der deutschen Vereine am Sportaustauschprogramm verstehen. Generelle Zweifel an der Seriosität von A.G.S.E.P. sowie unseren Austauschprogrammen sind aber nicht begründet. Auch 2012 wurden von uns wieder mehrere Projekte umgesetzt." So spielten etwa am 5. Mai dieses Jahres die Volleyballer des VC Dresden in einem Freundschaftsspiel gegen das Volleyballteam "Defence Forces" aus Sri Lanka.
Niemals Gesichtsverlust
Kai Globig sagte, auch die Agentur habe gehörigen Aufwand bei der Zusammenarbeit mit den asiatischen Verbänden: "Es ist nervenaufreibend und anspruchsvoll. Ein Ja ist nicht unbedingt ein Ja. Abgeschlossene Verträge werden kurzerhand aufgelöst und für nichtig erklärt. Zeit und Termine spielen keine Rolle, so dass unter anderem Flüge nach Deutschland oder Visa einen Tag vor Abreise besorgt werden. Bei Fehlern in der Organisation einer Tournee werden solche niemals eingestanden, eher wird der Kontakt gänzlich abgebrochen, da die Asiaten niemals ihr Gesicht verlieren wollen."
Dass es in letzter Zeit nun gleich mehrmals zu Fehlschlägen kam, treffe die Agentur genauso hart wie die Vereine, was den finanziellen und zeitlichen Verlust angehe. Das soll laut Globig, der erzählt, dass die Agentur-Mitarbeiter mit viel Enthusiasmus und Herzblut bei der Sache sind, aber keine Entschuldigung sein. "Wir können den Vereinen, die nun kein Freundschaftsspiel absolvieren konnten, lediglich anbieten, selbst die Reise anzutreten und die Spiele in Sri Lanka oder auf den Malediven zu bestreiten. Auf diesem Weg hat es nie Probleme gegeben."