Robert Behling hat das London-Ticket knapp verpasst. FOTO: MZ)
Die Würfel um die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London im Kanu-Slalom sind gefallen. Nach dem vierten Qualifikationswettkampf am vergangenen Sonntag im Kanupark Markkleeberg steht fest, dass die Leipziger David Schröder und Frank Henze den Deutschen Kanuverband im Zweier-Canadier vertreten. Ganz knapp in der Qualifikation unterlegen waren Robert Behling und Thomas Becker. Mit den beiden jungen Merseburgern unterhielt sich in dieser Woche am Bootshaus am Saale-Wehr Heinz Böttger für die MZ.
Die Entscheidung war am Ende hauchdünn. Haben Sie den Ausgang der Qualifikation schon verkraftet?
Becker: Natürlich waren wir nach dem Wettkampf riesig enttäuscht, zumal es wirklich knapp war. Und die Enttäuschung klingt noch etwas nach. Aber von Tag zu Tag wird es weniger, zumal die nächsten Aufgaben bereits vor uns stehen. Diese Woche sind Wildwasserkanal und Boot außen vor. Erst nächste Woche steigen wir wieder ein.
Sie haben die vier Wettkämpfe sicher schon analysiert. Welche Aspekte waren für Sie ausschlaggebend?
Behling: Wir waren in Augsburg auf dem Eiskanal schlecht in die Qualifikation gestartet. Im ersten Rennen gab es am Ende nur Platz fünf, nachdem wir im Finale zwei Torberührungen, das sind je zwei Strafsekunden, kassiert hatten. Das war im Nachhinein betrachtet der Knackpunkt. Der Sieg im zweiten Wettkampf hat uns gezeigt, dass wir ein ernstes Wort mitsprechen können, wenn wir unser Potenzial abrufen. Und der folgende Sieg im dritten Wettkampf in Markkleeberg ließ uns alle Chancen. Vor dem abschließenden Rennen am Sonntag begann schon die Rechnerei und die Nerven spielten mit. Und es blieb ein Krimi bis zum Schluss. Alles hätte passieren dürfen, nur nicht ein erster Platz von Schröder / Henze. Kein Boot kam auf dem schweren Kurs ohne Berührungen durch. Doch wir hatten drei, wurden Vierte und in der Gesamtwertung Zweite. Beide erstplatzierten Teams hatten zwei Siege auf dem Konto, aber unsere Konkurrenten brachten noch einen Rang zwei in die Wertung ein.
Welches persönliche Fazit haben Sie gezogen und welche Auswirkungen hatte die Qualifikation bezüglich der Nominierung des Nationalteams?
Becker: Wir sind sicher, dass wir uns gut verkauft haben, wenngleich wir natürlich nicht völlig happy sind. Als Zweitbeste gehören wir zu den vier deutschen C II-Booten, die die fünf Weltcups der Saison bestreiten. Dann starten wir bei der Europameisterschaft der Leistungsklasse vom 14. bis 19. Mai in Augsburg und vertreten Deutschland bei den U23-Weltmeisterschaften in den USA vom 10. bis 15. Juli, die im Bundesstaat Wisconsin stattfinden.
Was haben Sie sich für diese anspruchsvollen Wettkämpfe vorgenommen?
Becker: Bei den demnächst anstehenden Europameisterschaften und bei den Weltcups wollen wir möglichst in die Finals kommen. Mit einer Medaille möchten wir sehr gern von der U23-WM nach Hause kommen.
Wie sieht die sportliche Perspektive nach dem Olympiajahr aus?
Behling: Der Verbands-Disziplin-Trainer Felix Michel aus Leipzig hat uns bereits mitgeteilt, dass der Verband auf uns in der Zukunft setzt. Die Spiele 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro sind ein großes Ziel. Schließlich sind wir das jüngste Spitzenboot des DKV. Aber ein Selbstläufer wird der Weg dorthin auf keinen Fall, dessen sind wir uns bewusst. Und Brasilien in vier Jahren - die Europa- und Weltmeisterschaften in den Jahren zuvor sowieso - sind tolle Ziele. Übrigens ist das Wetter in Rio in der Regel besser als in London.