Reiten: Einer der wenigen

25.04.2012 20:11 Uhr | Aktualisiert 25.04.2012 20:46 Uhr
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Im Sprung

Im Sprung. (FOTO: MZ)

Von ANKE LOSACK
In der Mädchen- und Frauendomäne treten nur vereinzelt männliche Teilnehmer bei Turnieren an. Steve Vogt vom Reitsportverein (RSV) Südfeldsee steht allerdings oft auf der Starterliste.
GROSSKAYNA/MZ. 

Steve Vogt ist beim Reitsportverein (RSV) Südfeldsee ein begehrter Mann. Die Pferdebesitzer stehen bei ihm Schlange. Denn ihre Pferde sollen keine Langeweile bekommen, sie sollen bewegt werden, und Steve offenbar auch. Darum vertrauen die Besitzer ihm ihre teuren Tiere an. Er soll sie ausreiten. "Da muss man schon viel Vertrauen haben", sagt RSV-Geschäftsführerin Jenny Hirche, die auch ihr Pferd dem 19-Jährigen überlässt. Und das weiß Steve auch zu schätzen, es macht ihn stolz.

Doch nicht nur, dass er Begehrlichkeiten bei den Pferdebesitzern weckt, macht den jungen Großkayner besonders. "Er ist einer der wenigen männlichen Reiter bei uns", so Jenny Hirche, "aber nicht ganz der Einzige." Erst im Profi-Reitsport seien die Verhältnisse zwischen männlichen und weiblichen Reitern etwa pari pari. Dass Steve Vogt beim RSV fast nur unter Frauen ist, mache ihm nichts aus, sagt er und lacht. "Ich bin eben der Hahn im Korb."

Seit mehr als acht Jahren sitzt er fast täglich zwei bis drei Stunden im Sattel. Einen richtigen Job habe er aber auch, sagt der 19-Jährige. Er ist Einzelhandelkaufmann in einem Merseburger Baumarkt, geht dort in Schichten arbeiten. Da stellt sich die Frage, wie er jeden Tag reiten gehen kann? "Entweder ganz früh, oder dann am Abend", sagt er. Früh, das ist gegen 7.30 Uhr, wenn die Reitanlage am Südfeldsee die Pforten öffnet. "Reiten ist aber ein teurer Sport", fügt Steve an. Ein eigenes Pferd besitzt er nicht. Doch es ist nicht nur das Pferd, das Geld kostet, auch die Ausbildung. Ohne, dass ihn die Eltern während der Schulzeit finanziell unterstützt hätten, wäre ihm es nicht möglich gewesen, sein Hobby bis heute auszuführen. "Die Reitstunde kostet zwischen 10 und 15 Euro", erzählt er. Und da seien eine Menge bei ihm zusammengekommen.

Steve habe aber noch eine Fähigkeit, die er als einer der wenigen beim RSV Südfeldsee besitzt, hakt Jenny Hirche ein. "Er traut sich ins Gelände", so die Geschäftsführerin. Besonders am Gelände ist, dass die Hindernisse für Springreiter feststehen, etwa Mauern aus Stein oder Holzstämme. "Da muss nicht nur das Pferd Mumm haben, sondern auch der Reiter", sagt Hirche. Das Risiko, zu stürzen, ist bedeutend höher als beim Springreiten, wo meist die Hindernisse und nicht die Reiter bei Berührungen auf den Boden fallen. "Mir macht das aber Spaß", sagt Steve.

Am Wochenende kann er den Spaß, den er hat, und auch sein Können unter Beweis stellen. Denn er wird unter den etwa 250 Startern sein, die am 11. Reitsportturnier des RSV Südfeldsee in Großkayna teilnehmen. Zahlreiche Dressur- und Springreitprüfungen und -wettkämpfe stehen auf dem Programm. Dass dabei auch ein Wettkampf im Gelände durchgeführt wird, sei recht selten, sagt die Geschäftsführerin. Und genau dort werden dann auch die kleinsten Reiter (bis 10 Jahre) mit ihren Pferden - nicht über die Hindernisse, sondern durch den Parcours - an Führzügeln entlang geführt. Das werden aber bestimmt nicht wenige sein.