Schwimmen: Zielstellung bereits übertroffen

02.07.2012 20:19 Uhr | Aktualisiert 02.07.2012 21:35 Uhr
Drucken per Mail
Mandy Feldbinder

Mandy Feldbinder tankt kurz vor der Schwimm-EM nochmal Kraft zu Hause. (FOTO: PETER WÖLK)

Von Heinz BÖttger
Am Sonntag ging es für die Leistungsschwimmerin Mandy Feldbinder auf Wettkampfreise. Ziel war das belgische Antwerpen, wo vom 4. bis 8. Juli die Junioren-Europameisterschaften im Schwimmen stattfinden werden. Sie hat sich dafür im Mai als Mitglied der deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaft qualifiziert.
Merseburg/MZ. 

Das vergangene Wochenende war für die 15-jährige Merseburger Leistungsschwimmerin Mandy Feldbinder wieder einmal ein recht kurzes. "Und das, obwohl sie ein echter Familienmensch ist", meint ihre Mutter Kerstin. Am Sonntag ging es wie so oft in den vergangenen Wochen auf Wettkampfreise. Ziel war das belgische Antwerpen, wo vom 4. bis 8. Juli die Junioren-Europameisterschaften im Schwimmen stattfinden werden. Und Mandy hat sich dafür im Mai als Mitglied der deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaft qualifiziert.

Davor ließ sich das Schwimmtalent daheim noch einmal richtig verwöhnen. "Aber sie packt schon im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Haushalt ordentlich mit an", erzählt Vater Frank.

Mandy begann einst beim Merseburger SV mit dem Schwimmen, wo man ihr Talent recht schnell entdeckte. Vor fünf Jahren wechselte sie zum SV Halle, besucht dort auch das Sportgymnasium. Und der Alltag mit Schule und Leistungssport ist kein leichter. "Aber wer etwas erreichen will, muss sich diesen Aufgaben stellen", sagt die 15-Jährige selbstbewusst. Ein Zwölf-Stunden-Tag ist keine Seltenheit. Schließlich beginnt um 7 Uhr morgens die Schule am halleschen Sportgymnasium, danach geht es weiter mit Training-Schule-Training. Oft ist sie erst am Abend um 19.30 Uhr zu Hause. "Aber das macht mir nichts aus. Ich bin gern Heimschläfer", gesteht sie. Und auf dem Weg von Merseburg nach Halle und zurück hat sie familiäre Begleitung. Ihr Zwillingsbruder Daniel, der auch als Schwimmer seine sportliche Laufbahn begann und jetzt Triathlet ist, besucht die gleiche Klasse.

Das anspruchsvolle Programm in Halle wird immer noch gesteigert, wenn Trainingslager - wie zuletzt vom 4. bis 24. Juli in Heidelberg - anstehen und Lehrgangsaufgaben mit zum Reisegepäck gehören. Da war der Grillabend auf der Terrasse des elterlichen Reihenhauses kurz vor der EM in Antwerpen noch einmal eine lockere Einstimmung auf die kommenden Aufgaben. Und mit dem Essen hat das Schwimmtalent sowieso keine größeren Probleme. Mit ihren 45 Kilo kann die 1,66 Meter große Mandy ordentlich zuschlagen, schließlich gehört sie in ihrer Altersklasse zu den Leichtgewichten.

Bis zur sechsten Klasse wurden alle Schwimmdisziplinen trainiert, erst danach erfolgte eine Spezialisierung. "Die Rückenstrecken sind meine Favoriten. Aber natürlich trainieren wir auch die anderen Lagen", berichtet Mandy.

Und bei den Deutschen Meisterschaften im Mai schaffte der Schützling des Trainers Ingo Markatsch die Altersklassen-Kadernorm und damit die Qualifikation für Antwerpen auf den drei Rückenstrecken (50 / 100 / 200 Meter). Die 29,85 Sekunden über 50 Meter bedeuteten Landesrekord und brachten der jungen Merseburgerin den deutschen Vizemeistertitel. "Mit der Teilnahme an der EM habe ich nicht gerechnet, liege also über dem Plan und alles, was ich jetzt erreiche, ist Zugabe pur", gibt sie sich locker.

"Wenn sie ihre guten Zeiten von den Deutschen Meisterschaften wiederholt, hat sie sicher Chancen, die Vorrunden zu überstehen", hofft Katrin Breuer, die Chefin des Merseburger Schwimmvereins, zu dem Mandy immer noch ein inniges Verhältnis hat. Nicht zuletzt unterstützt der MSV, bei dem die Mutter als Übungsleiterin aktiv ist, das Talent nach besten Kräften. "Bei den Wettkämpfen der Kinder- und Jugendspiele des Saalekreises hätte ich bestimmt zugeschaut, aber da starte ich ja in Antwerpen", sagt Mandy. Und die Eltern werden auf der Tribüne sitzen, die Daumen drücken und sie anfeuern.