Turnen: Im Anzug auf den Balken

07.05.2012 20:09 Uhr | Aktualisiert 07.05.2012 20:14 Uhr
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Turnerinnen

Eunice, Klara, Inken, Chayenne, Pauline, Gianna und Hannah (v.l.n.r.) sind schon gespannt auf die Anzüge. (FOTO: WÖLK)

Von Tilo Krippendorf
Turner beginnen in der Regel sehr früh im Leben mit dem Sport. So hat die zwölfjährige Chayenne Witzel mit vier Jahren begonnen, ihrem Trainer Jörg Schreyer ging es da genauso.
LEUNA/MZ. 

Er leitet die Turnsektion des Vereins Chemie Leuna und übt mit 30 Kindern zweimal in der Woche am Boden, auf dem Balken oder Stufenbarren oder auch am Sprungtisch. "Man muss bei den Kleinen vorsichtig anfangen und dann Schritt für Schritt die Schwierigkeit erhöhen", sagt der 23-Jährige Übungsleiter.

So trainieren die Kinder für die Balance auf dem Schwebebalken beispielsweise erst auf einer Linie am Boden, später auf einer Bank. Schließlich hilft nur noch eine kleine Verbreiterung auf dem normalerweise zehn Zentimeter schmalen Gerät, das Gleichgewicht zu halten. Die Turnsektion des Vereins gibt es bereits seit Januar des vergangenen Jahres. Doch eine einheitliche Kleidung, geschweige denn eng anliegende Gymnastikanzüge für die Wettkämpfe, sucht man bei den jungen Sportlern vergeblich. Denn obwohl die Geräte zur Verfügung stehen, würden auf den Verein enorme Kosten zukommen - alleine Gymnastikanzüge kosten zwischen 50 und 100 Euro pro Stück, und da hat man noch keine Trainingsanzüge. So kommt es, dass die Kinder bisher als bunte Truppe durch die Turnhalle der August-Bebel-Schule in Leuna und bei Wettkämpfen wuseln. Die MZ-Trikotaktion mit dem Sponsor Fielmann kam den Leunaern da gerade recht. Als sie in der Zeitung vom Bewerbungsaufruf lasen, dachten sich die Turner etwas aus.

Ein weißes T-Shirt wurde geopfert, darauf unterschrieben alle kleinen Sportler und dichteten sogar noch ein paar Zeilen auf der Rückenseite. Chayenne schrieb mit Füller ein Anschreiben an die Redaktion und hatte Glück - bald können sie zu Wettkämpfen in Trikots mit den weiß-grünen Vereinsfarben und dem Vereinslogo fahren.

Das ist beim Turnen nicht ganz unwichtig. "Bei Wettkämpfen mit der Mannschaft gibt es Punktabzüge, wenn wir keine einheitliche Kleidung anhaben", erzählt Chayenne. Ein Satz Trikots würde den Turnern also vielleicht zu der einen oder anderen Medaille verhelfen. Nachdem die jungen Sportlerinnen die freudige Nachricht erhielten, dass sie die ersten Gewinner der Trikot-Aktion im Saalekreis sind, wurde erst einmal in der Gruppe beraten. "Wir haben uns nun für einen Repräsentationsanzug entschieden, das ist so eine Art Trainingsanzug, der vor und nach den Übungen getragen wird", sagt Schreyer, dem man ansieht, dass er schon jahrelang am Reck oder an den Ringen turnt.

Am vergangenen Wochenende war der Student, der soziale Arbeit in Merseburg studiert, mit der Turnersektion zum Trainingslager in Wittenberg, um sich auf einen Höhepunkt vorzubereiten: Bei der Sportgala des Kreissportbundes wollen sie der Öffentlichkeit zeigen, was sie können - und können dann auch die neuen Anzüge präsentieren. Die zwölfjährige Chayenne, deren Lieblingsgerät der Stufenbarren ist, freut sich schon jetzt auf den großen Auftritt.