Skepsis pur bei Piraten-Trainer Matze Münz. (FOTO: PETER WÖLK)
Beim Mannschaftsessen Samstagnacht war der 23-jährige Österreicher Simon Frühbauer untröstlich. Er haderte mit sich selbst: Seine zwei Fehler seien entscheidend dafür gewesen, dass der CV Mitteldeutschland (CVM) nach zwei Stunden Spielzeit das Volleyball-Bundesligaspiel gegen den TV Bühl in 2:3-Sätzen verloren hatte. Spergaus Routinier Jiri Stolfa versuchte den Österreicher aufzubauen: "Du bist noch jung. Solche Dinge passieren, daraus lernt man", sagte Stolfa. Keine Spur von Vorwurf also seitens der Mannschaft. Die Piraten hatten gegen Bühl aufopferungsvoll gekämpft, trotz fast aussichtslosem 1:2-Satzrückstand nie aufgesteckt.
Unglaublicher erster Satz
Doch bleibt die Frage offen, warum die Truppe von Trainer Matze Münz überhaupt diesem Rückstand nachlaufen musste und schließlich das Spiel verlor. Genug Motivation war ja eigentlich da.
Denn bereits in Satz eins erreichten die Piraten etwas Unfassbares - etwas, das im Leben eines Volleyballers nicht so oft vorkommt: Ein Satzergebnis von 39:37. "Alles über 30 Punkte ist schon eher die Ausnahme", sagt CVM-Trainer Münz. An ein 40:38 kann er sich dunkel erinnern. "Das war bei einer meiner früheren Trainerstationen. Berlin, glaube ich", so Münz.
Das 39:37-Ergebnis sei in der laufenden Saison der 1. Bundesliga Männer nun der längste Satz, so Daniel Sattler von der Deutschen Volleyball-Liga (DVL). Das 33:31 vom 14. Januar zwischen Moers und Berlin führte bisher die Rangliste an. Für die Piraten ist es allerdings kein Vereinsrekord. Auch wenn sich die Verantwortlichen auf MZ-Nachfrage so gar nicht schlüssig waren, ob, wann und wie hoch er nun gewesen sein sollte. CVM-Manager Rick Wiedersberg fragte beim Telefon-Joker um Rat. Der hieß Enrico Erhardt. Seit 2003 spielt der bei den Piraten, war an allen Aufstiegen beteiligt und brauchte nur kurz, um zu sagen, wann gegen wen und wie hoch. "42:40, Saison 2005 / 2006, gegen Bocholt, zu Hause in der 2. Bundesliga", sagte Wiedersberg dann. Und tatsächlich. Sucht man in den Archiven der DVL findet man das Ergebnis. Die ewige Bestenliste der längsten Sätze in der 1. Volleyball-Bundesliga führt die Partie SSC Berlin gegen VV Leipzig aus dem Jahr 2002 an - da gab es einen Satz, der 43:41 endete.
Hin und Her geht es in so einem Mammutsatz - ein mitreißendes Auf und Ab für Zuschauer und natürlich für die Spieler. Als am Samstag nach 40 Minuten der Satz gewonnen war, lagen sich die Piraten in den Armen. Was für ein Gefühl muss es sein, so einen Satz auch noch für sich zu entscheiden? "Klar, die Jungs waren froh, so etwas geschafft zu haben", erklärte Münz. Was allerdings danach in den Köpfen seiner Spieler passierte, unerklärlich. "Wir wurden nachlässig, haben verkrampft", so Münz. Die Glücksgefühle waren wie weggeblasen, der Satzgewinn hatte seine Wirkung verfehlt. 15:25- und 13:25-Niederlagen folgten in den Sätzen zwei und drei. Die Piraten berappelten sich zwar noch einmal, unterlagen aber im Tiebreak.
Am Mittwoch kommt Berlin
40 Minuten dauerte dieser spektakuläre erste Satz. Dem gegenüber stehen drei Punktspiele, die alle jeweils in gerade einmal 69 Minuten vorbei waren. Haching, Friedrichshafen und Berlin Recycling (BR) Volleys hießen da die Gegner der Piraten. Und gegen diese Drei geht es in den nächsten Tagen wieder.
Am Mittwoch um 19.30 Uhr kommt Berlin in die Jahrhunderthalle. Auch die Hauptstädter mussten sich am Samstagabend über fünf Sätze kämpfen - 2:3 unterlagen sie Friedrichshafen. Doch das ist fast die einzige Gemeinsamkeit mit den Mitteldeutschen. "Berlin hat den höchsten Etat der Liga und ein ganz anderes Ziel. Sie wollen Deutscher Meister werden", sagt Matze Münz. Der Spergauer Trainer erinnert sich ungern an das Hinspiel: "Da sind wir sang- und klanglos untergegangen. In keinem Satz sind wir an die 20-Punkte-Marke gekommen." Darum sei klar, dass sein Team am mittwoch Außenseiter ist. Das Spiel präsentiert die Euro Engineering AG. 300 Freikarten gibt es für Schüler und Studenten.
Die Freikarten sind - solange der Vorrat reicht - erhältlich bei Jana Wolf von der euro engineering AG: per E-Mail an jana.wolf@ee-ag.com
Oder fragen sie telefonisch nach Freikarten unter 0341 / 3 05 71 44