Whit Holcomb Faye (rechts) im Zweikampf mit dem Crailsheimer Jared Stohl. (FOTO: PETER LISKER)
Seine braunen Augen blitzen auf, wenn der Mann mit dem doppelten Doppelnamen über Basketball, Deutschland, den Mitteldeutschen BC, Weißenfels und die Fans in der Stadthalle spricht. Robert Whitfield Holcomb Faye, von allen kurz "Whit" genannt, ist glücklich, in seinem sechsten Jahr, in dem er nun schon in Deutschland auf Korbjagd geht, bei den Wölfen gelandet zu sein.
Dabei war sein Glück - ein verspätetes Geschenk nach seinem 27. Geburtstag einen Monat zuvor - das Pech eines anderen. Denn Holcomb Faye wurde 2011 erst Mitte Oktober für den verletzten Aaron Cook (Handbruch) nachverpflichtet und kam nur wenige Tage nach seiner Vertragsunterzeichnung bei der Heimpartie des sechsten Spieltages gegen die BG Leitershofen / Stadtbergen zum Einsatz. Der Point Guard absolvierte als Spielmacher knapp 18 Minuten und stellte beim 97:75-Erfolg mit fünf Vorlagen sowie einer Balleroberung gleich seine Teamfähigkeit unter Beweis. Letztlich verdrängte er Cook, der mittlerweile für den Playoff-Halbfinalgegner, den Crailsheim Merlins, aufläuft.
"Es war die richtige Entscheidung, zum MBC zu gehen", sagt der 27-Jährige, der zum Zeitpunkt seines Wechsels vom österreichischen Spitzenclub WBC Wels zum MBC auch mit der BG Karlsruhe in Verhandlungen stand. "In Weißenfels ist alles optimal. Das top organisierte Management, die tolle Halle, die begeisterten Fans, ein wahnsinnig guter Trainer sowie ein klasse Team", zählt er geradewegs auf.
Kein Wunder, dass da nur wenig Heimweh aufkommt und der 1,85 Meter große US-Amerikaner sogar über eine Vertragsverlängerung nachdenkt. "Das entscheidet sich zwar immer alles erst nach der Saison, aber ich möchte schon gern mit dem MBC in der ersten Liga spielen", sagt er selbstbewusst.
Denn dass er mit seinen Teamkollegen jetzt in der Halbfinale-Serie gegen Crailsheim am Ende als Sieger hervorgehen wird, daran hegt er keinen Zweifel. "Crailsheim ist ein schwerer Gegner. Die Merlins sind vor allem mit schnellen Gegenzügen gefährlich. Aber wenn es uns gelingt, das Tempo aus ihrem Spiel zu nehmen, dann werden wir am Freitag, Sonntag und am kommenden Mittwoch gewinnen", sagt er selbstbewusst. Denn am liebsten wäre es ihm, wie schon gegen Science City Jena im Viertelfinale, mit drei Siegen eine weiße Weste zu wahren. Immerhin sind es seine ersten Playoffs in Europa. "Die will ich unbedingt gewinnen", sagt er mit einem breiten Grinsen.
So ruhig und freundlich Holcomb Faye außerhalb des Platzes wirkt, auf dem Feld ist er ein echter Wolf, der seine Gegner nicht aus den Augen lässt und sich für sein Rudel schützend einsetzt. Sinnbild dafür sein emotionaler Ausraster nach einem Foul an Hördur Vilhjalmsson im ersten Playoff-Viertelfinale gegen Jena, als er für seine Attacke am Gegner ein technisches Foul kassierte. "In solchen wichtigen Partien ist man schon mal schneller gereizt", so Holcomb Faye. Und gerade, weil es mit Hördur sein Pendant auf der Spielmacherposition traf, kam es zu dieser Überreaktion: "Im Match bin ich eben ein ganz anderer Mensch. Ich liebe den Wettkampf und will immer siegen. Dafür gebe ich alles."
Im Leben außerhalb des Sports ist Holcomb Faye zwar gleichfalls ein Teamplayer, aber eben auch ein sehr besinnlicher Typ, der in seiner Freizeit gern bei Videospielen und Hip-Hop-Musik entspannt. Seinen Charakter spiegeln die beiden Tätowierungen auf seinen Oberarmen wider. Auf der rechten Seite sind es vier Buchstaben: TOLN. "Das ist der Gruppenname von mir und meinen Freunden, mit denen ich in meiner Heimat Winston Salem aufgewachsen bin. Wir alle haben das gleiche Tattoo." Und links? "Das ist ein Gebet. Es war das Lieblingsgebet meines Großvaters", erzählt er nachdenklich. Wolken darüber symbolisieren den Himmel.
Ganz klar, Whit ist ein Familientyp. Regelmäßig telefoniert er mit seiner Mutter und hält über Internet Kontakt in die Heimat. Sein Vater brachte ihn und seinen älteren Bruder (29) zum Basketball. Beide sind Trainer. Das strebt Holcomb Faye nach seiner Karriere ebenfalls an: "Im Sommer unterstütze ich meinen Bruder als Coach in der High-School-Summerleague." Als Point Guard sei er ohnehin der verlängerte Arm des Trainers. "Ich bin der Coach auf dem Feld", sagt er mit einem Augenzwinkern,
"aber erst möchte ich noch so lange spielen, wie es auf diesem Niveau geht. "
In der Fremde braucht er eine familiäre Umgebung, die er beim MBC gefunden hat. "Für US-Amerikaner ist es in Deutschland am einfachsten, im Ausland Basketball zu spielen", sagt er. Nur eines vermisst Whit aus den USA: Ganz bestimmte Fast-Food-Restaurants.
1. Playoff-Halbfinale der 2. Bundesliga Pro A: Mitteldeutscher BC - Crailsheim Merlins, am Freitag, 19.30 Uhr in der Stadthalle Weißenfels.