Trainer Silvano Poropat (FOTO: ARCHIV)
Im Sport würde man sagen ausverkauft. Das Restaurant ist gefüllt bis auf den letzten Platz. Silvano Poropat, unterwegs mit seiner Lebensgefährtin und einem befreundeten Paar, wirft nur einen kurzen Blick in den Gastraum. Doch das genügt. "Es hat keine Minute gedauert - und wir hatten einen Tisch."
Die Anekdote aus dem Restaurant liegt schon Jahre zurück. Passiert ist sie in Ludwigsburg, wo Poropat seinerzeit Cheftrainer der Erstliga-Basketballer war. Und sie erzählt etwas über den Trainer, der bei seinem Verein nicht nur große Erfolge feierte, sondern auch zur Identifikationsfigur wurde. "Ich war zehn Jahre dort. Ich kannte jeden und jeder kannte mich", erzählt er.
Seit Beginn dieser Saison trainiert Silvano Poropat den Mitteldeutschen BC. Am Samstag kann das Team aus Weißenfels mit einem Sieg in Crailsheim den Wiederaufstieg in die Basketball-Bundesliga perfekt machen. Für den Trainer wäre es der erste Schritt auf dem Weg, sich in Weißenfels ein ähnliches Standing zu erarbeiten wie einst in Ludwigsburg, für den Verein ein wichtiger Erfolg auf dem Weg, der Mannschaft ein prägendes Gesicht zu geben.
Poropats Aufgabe in Weißenfels geht über das rein Sportliche hinaus. In kaum einer anderen Sportart ist die Fluktuation so groß wie im Basketball. Von den 15 Spielern, die der MBC aktuell auf seiner Homepage im Kader führt, war nur einer auch in der Vorsaison dabei. Deshalb ging der Verein einen seltenen Weg: Er gab dem Trainer einen Dreijahresvertrag, schrieb ihm aber auch eine klare Anforderung ins Arbeitsprofil: "Er soll die sportliche Seite nach außen repräsentieren", sagt Geschäftsführer Jörg Hexel. "So einen langen Vertrag hatte bisher nur Ari Tamivaara. Und der hat eine Ära bei uns geprägt."
Anfang als Jugend-Trainer
Silvano Poropats Lebenslauf lässt durchaus den Schluss zu, dass er dieser hohen Aufgabe Herr werden kann. Es ist ein Lebenslauf, der sich ein wenig wie ein amerikanischer Traum mit Lücken liest: vom Jugend-Coach, der kein Wort Deutsch spricht bis zum Trainer des Jahres in der höchsten deutschen Liga.
Poropat, heute 41 Jahre alt, kommt als 28-Jähriger nach Deutschland. In seiner Heimatstadt Rovinj in Kroatien trainiert er eine C-Jugend-Mannschaft. Als das Team bei einem Turnier in der Partnerstadt Leonberg alles in Grund und Boden spielt, wird man in Baden-Württemberg aufmerksam auf den Trainer. Poropat absolviert ein Probetrainingslager im Nachwuchs der BG Ludwigsburg. Bis heute eines der emotionalsten Erlebnisse für ihn. "Am Ende wurde den Kindern gesagt, dass der Verein jetzt überlegen würde, ob ich bleiben darf. Und auf einmal fingen die Kinder laut an zu schreien." Ein riesiger Vertrauensbeweis. "Ich erinnere mich wie gestern an den Moment. Das war unglaublich."
Poropat geht nach Ludwigsburg. An der Volkshochschule lässt er sich die Grundlagen der Sprache vermitteln, wirklich lernen tut er sie beim Basketball. Und er steigt auf, wird Co-Trainer der Profis und 2004 schließlich deren Chef. Vier Jahre ist er unantastbar, führt das Team 2007 auf Platz zwei der Bundesliga und ins Halbfinale der Meisterschaft. Er wird Trainer des Jahres. Eine Saison später erreicht der Verein zum ersten Mal das Pokalfinale - und verliert es. "Am Tag danach hat man mich entlassen. Daran hatte ich einige Zeit zu knabbern."
Analytiker und Kopfmensch
Wenn Poropat heute darüber spricht, klingt er ziemlich sachlich. Sein Deutsch ist hervorragend, mit starkem Akzent zwar, aber grammatisch fast fehlerlos. Er ist ein Analytiker, ein Kopfmensch. Und das gilt nicht nur für seinen Sport, sondern auch für ihn selbst.
Nach seiner Zeit in Ludwigsburg kommt er als Coach nicht wieder richtig auf die Beine. Es gibt kürzere Episoden, in Lettland, schließlich beim Zweitligisten in Karlsruhe. Und diese Station wird rückblickend ganz wichtig für ihn. Nach Streit mit der Vereinsführung wirft Poropat Ende 2010 nach nur wenigen Monaten hin. Ein einschneidender Moment. "Da habe ich mir gesagt, dass ich erstmal für mich selbst wissen muss, was ich will." Was wie eine hohle Floskel klingt, untermauert er. "Am Tag nach meiner Kündigung habe ich aufgehört zu rauchen." Von heute auf morgen. "Und ich hatte vorher eine bis anderthalb Schachteln am Tag geraucht."
Man kann es als äußeres Zeichen für eine Veränderung deuten. Poropat entscheidet, nur noch Jobs anzunehmen, in denen er seine Philosophie vom Basketball durchsetzen kann, wo er wie in Ludwigsburg langfristig arbeiten kann. Es dauert ein knappes Jahr, bis der MBC anklopft. Und er ist ganz schnell überzeugt. "Schon nach dem allerersten Gespräch habe ich zu meiner Frau gesagt: ,Das ist es. Wenn die mich wollen, werde ich dort hin gehen.'"
Ein knappes Jahr ist ins Land gezogen. Der MBC hat womöglich seinen Aufstiegstrainer gefunden. Poropat steht kurz davor, wieder ein Erstliga-Coach zu sein. Auch für ihn, den Analytiker, etwas ganz Emotionales - auch wenn es vier Jahre nach Ludwigsburg nicht dasselbe ist. Poropat ist Nichtraucher.