Basketball: MBC erobert zum zweiten Mal den Titel in der «Pro A»

06.05.2012 19:40 Uhr | Aktualisiert 06.05.2012 22:15 Uhr
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Sekt für alle

Sekt für alle. MBC-Kapitän Sascha Leutloff reißt den Meisterpokal in die Höhe. Die Wölfe krönen eine phantastische Saison. (FOTO: ALEXANDER BLEY)

Von andreas richter
Die Basketballer des Mitteldeutschen BC haben zum zweiten Mal in der fünfjährigen Geschichte der 2. Bundesliga „Pro A“ den Titel erobert.
Weissenfels/MZ. 

2:38 Minuten vor Schluss scheint der Traum vom Sahnehäubchen ausgeträumt. Der Mitteldeutsche Basketball Club (MBC) liegt im Finale um die Meisterschaft in der 2. Basketball-Bundesliga Pro A gegen Kirchheim Knights mit 72:73 hinten. Doch was nun folgt, reißt die 2 750 Zuschauer in der Weißenfelser Stadthalle schier von den Sitzen. Mit einem wahrhaft meisterlichen 9:0-Lauf dreht der Gastgeber das Spiel und gewinnt am Ende mit 81:73. Damit haben die Wölfe die 82:88-Niederlage vom Auswärtsspiel am Freitagabend wettgemacht und krönen den vorher schon perfekten Aufstieg in die 1. Bundesliga mit dem Sahnehäubchen Meisterschaft.

Es ist die magische Sieben, die am Sonntagnachmittag in vielen Köpfen der MBC-Fans geistert. Müssen doch ihre Lieblinge mindestens mit eben diesem Vorsprung das letzte Spiel der Aufstiegs-Saison gewinnen. Doch die Gäste aus Schwaben haben nicht vor, bei der Meisterfeier brav Spalier zu stehen. Sie fordern dem MBC von Anfang an alles ab, so dass die Gastgeber nach dem ersten Viertel nur mit einem Punkt führen. Zu wenig für die Krönung. Und so dreht der Aufsteiger im zweiten Viertel, angetrieben vor allem von Louis Hinnant, auf und schafft zur Halbzeit eine Punktlandung: 42:35. Die magische Sieben.

Die Zuversicht bei den Fans in orange ist in der Pause groß. "Wir gewinnen am Ende mit zehn Punkten Vorsprung", prophezeit Ralf Mede. Der 23-Jährige ist seit 13 Jahren treuer MBC-Fan. Den ultimativen Glücksmoment dieser Saison hat er allerdings schon hinter sich. Gehörte doch der Student aus Jena zu den Unentwegten, die zum zweiten Halbfinal-Auswärtsspiel nach Crailsheim gefahren sind. Von dort brachte er ein ganz besonderes Stück für die Schrankwand in seiner Jenaer Wohnung mit - Jene mittlerweile leere Sektflasche, die Kapitän Sascha Leutloff just in dem Moment öffnete, als feststand, dass der MBC mit dem Sieg in Crailsheim die Mission Wiederaufstieg erfüllt hat.

Bevor an diesem Sonntagabend Sekt in Strömen fließen kann, steht dem MBC jedoch noch ein wahrer Krimi bevor. Die Gäste aus Schwaben lassen sich auch im dritten Viertel nicht abschütteln. Das Wölfe-Spiel läuft nicht ohne Fehler. Mehrere Male glaubt man allerdings auch, dass der Basketball-Gott an diesem Tag kein Weißenfelser ist. Bälle, die nach allen Regeln der Physik schon im Kirchheimer Korb sein müssten, drehen sich in letzter Zehntelsekunde wieder heraus - die Zuschauer raufen sich die Haare. Am Ende heißt es 62:56, ein Sechs-Punkte-Sieg nach 40 Minuten würde Verlängerung bedeuten.

In den letzten zehn Minuten versteht man in der Stadthalle sein eigenes Wort nicht mehr. Doch die nahe Krönung einer so erfolgreichen Saison scheint die MBC-Spieler kurzzeitig auch zu lähmen. Sie ackern und kämpfen, doch zwischendurch gelingt wenig - und dann kommt jener Moment, da Kirchheim in diesem dramatischen Finale 2:38 Minuten vor dem Ende drauf und dran ist zum großen Spielverderber zu werden. Doch als die magische Sieben unerreichbar scheint, raffen sich die Wölfe zu einer unglaublichen Energieleistung auf. Nach einem 6:0-Lauf nimmt Kirchheim noch einmal eine Auszeit. Doch es hilft nichts. Am Ende steht nicht nur die magische Sieben, sondern ein Acht-Punkte-Vorsprung auf der Anzeigetafel. Um 18.52 Uhr schleudert Arizona Reid, vor Beginn der Partie als bester Spieler der Saison in der Pro A ausgezeichnet, den Ball unters Hallendach. Der Rest ist orangener Freudentaumel. Spieler und Fans liegen sich in den Armen. Sascha Leutloff lässt weitere Sektkorken knallen und stemmt um 19.01 Uhr vor den Live-Kameras des MDR-Fernsehens den Meisterpokal in die Luft. Draußen an der Bühne feiern wenig später erhitzte Fan-Gemüter in einen kühlen Mai-Abend.