Louise Hinnant erzielte die meisten Punkte für den MBC. (ARCHIVFOTO: ANDREAS BEZ)
Der rhythmische Fangesang "Hier regiert der MBC!", der in den letzten Minuten des Spiels gegen Crailsheim nicht mehr verstummte, war selten so zutreffend wie Freitagabend. Mit einem souveränen und in der Höhe auch vollkommen verdienten 98:68 entzauberten die Weißenfelser Wölfe die Crailsheim Merlins (Zauberer). Vor 2 300 Zuschauern ließen die Gastgeber nie einen Zweifel aufkommen, dass sie dieses Spiel gewinnen und sich eine super Ausgangsposition für die nächsten Partien aufbauen werden.
Nach elf spielfreien Tagen brauchten die Wölfe keinerlei Anlaufzeit, um ihren Rhythmus zu finden. Vor allem Jordan Collins wurde nicht nur seiner Centerrolle gerecht, sondern erwies sich auch als Antreiber, machte im ersten Viertel sechs Punkte. Ähnlich stark startete Steve Wachalski. Und in der Schlussphase des ersten Durchgangs deutete Louis Hinnant schon einmal an, wohin er an diesem Abend will: nämlich an die Stelle des besten Werfers. Und das wurde er schließlich auch mit 18 Punkten.
Versuchte Crailsheim in der ersten Halbzeit noch gegenzuhalten, zeigte sich mit dem Verlauf der Spielzeit, dass der MBC an diesem Abend viel zu stark war. Und die Crailsheimer spielten wenig mannschaftsdienlich, was Cheftrainer Ingo Enskat nach dem Spiel auch beklagte. "Wir haben viel zu egoistisch gespielt. Wir müssen uns wieder auf unsere Stärken besinnen, wenn wir wenigsten die Chance bekommen wollen, am Thron des MBC zu rütteln", sagte er kritisch an die Adresse seiner Spieler.
Da hatte Wölfe-Trainer Silvano Poropat deutlich leichteres Spiel. "Wir haben heute so Basketball gespielt, wie wir auch Basketball spielen wollen", meinte er in der Pressekonferenz. Es mischte sich jedoch auch warnender Gedanke ein. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, aber führen gerade mal 1:0, nicht mehr und nicht weniger." Bereits am Sonntag geht es in Crailsheim weiter. Ein Sieg dort und die Wölfe können am Mittwoch in eigener Halle alles klar machen für zwei Finalspiele und haben den Aufstieg zur Basketballbundesliga sicher in der Tasche.
Nach dem Spiel hat es den Anschein, als könnten sich die Weißenfelser höchstens selbst schlagen, wenn sie unkonzentriert und überheblich zu Werke gehen. Allerdings war die Gefahr am Freitag nicht zu erkennen. Vor allem auch deshalb nicht, weil das Spiel nicht auf einzelne Spieler zugeschnitten, sondern die Stärke des gleichmäßig besetzten Kaders genutzt wurde. Nicht nur, dass sich bis auf Karl Democh (das packt er aber auch noch) alle Spieler in die Punkteliste eintrugen, sechs Akteure punkteten gleich zweistellig. Hatte Crailsheim am Anfang noch versucht, besonders dem etatmäßigen Topscorer Arizona Reid besondere Aufmerksamkeit zu schenken, mussten sie bald einsehen, dass das nichts nützt, weil eben Hinnant, und andere in die Bresche sprangen. So sank in den letzten drei, vier Minuten bei den Gästen die Motivation und nur mit Glück konnten sie sich eines Debakels mit 100 Gegenpunkten erwehren.