Spätestens Mitte der zweiten Halbzeit wusste auch der letzte der rund 200 Zuschauer in der Hohenmölsener Glück-Auf-Sporthalle, dass das Spiel der Füchse Berlin gegen Pick Szeged am vergangenen Freitag nicht einfach nur ein Freundschaftsspiel war, sondern dass es um den Handball-Champions-Cup ging. Silvio Heinevetter, Füchse- und Nationalmannschaftstorhüter, hatte gerade vermeintlich einen Ball mit dem Kopf an die Lattenunterkante gelenkt und, seiner Meinung nach, so noch vor der Linie gerettet. Doch Schiedsrichter Martin Harms aus Magdeburg gab Tor für Szeged. Heinevetter ging wutüberströmt wie einst Ex-Bundestrainer Heiner Brand, wenn auch nicht mit erhobener Faust, auf den Referee los.
"Klar war ich motiviert, das Spiel zu gewinnen. Es war erst der zweite richtige Test in der Vorbereitungszeit. Außerdem will ich den Champions-Cup holen", sagte Heinevetter nach dem 30:24-Sieg seiner Berliner gegen den ungarischen Vizemeister. Die Szene blieb unbestraft, da Schiedsrichter Harms entweder den vermeintlichen Angriff gar nicht richtig registriert hatte oder eine so hohe Persönlichkeit wie Heinevetter nicht vor dem Hohenmölsener Publikum bloßstellen wollte.
Das hatte den ehemaligen Magdeburger sofort ins Herz geschlossen, gab Heinevetter bei der Mannschaftsvorstellung besonders großen Applaus. Er dankte es, indem er nicht nur nach dem Spiel geduldig auch dem 83. Wunsch nach einem Erinnerungsfoto nachkam. Als Heinevetter bei einer Spielunterbrechung an der Wechselbank kurz einen Schluck aus der Wasserflasche nahm, lächelte er freundlich in die Kamera einer jungen Frau, die zuvor frech "Silvio, guck mal" gerufen hatte. "Das ist doch alles völlig normal, wenn man solche Turniere in der Handball-Provinz spielt. Da ist die Begeisterung der Leute umso größer. Und das ist ja absolut nichts Negatives", freute sich Heinevetter über den besonderen Zuspruch.
In den 30 Minuten zuvor stand er ebenfalls im Mittelpunkt. Hatten die Szegeder im ersten Durchgang (15:15) noch mit dem Champions League-Halbfinalisten Füchse Berlin mithalten können, machte Heinevetter, zur zweiten Halbzeit eingewechselt, den Unterschied aus. Gleich in den ersten fünf Minuten hielt der 28-Jährige vier schwere Bälle. Und so zog Berlin über 17:15 auf 20:17 davon. Zwar kamen die Ungarn noch mal auf 19:20 heran, aber dann waren es der Spanier Iker Romero und Markus Richwien, die mit ihren Toren (am Ende jeweils sechs) den Ungarn endgültig den Zahn zogen. Über 25:19 in der 50. Spielminute gab es am Ende einen deutlichen Sechs-Tore-Sieg für den Turnierfavoriten Füchse Berlin, der das Turnier in den letzten drei Jahren schon zweimal gewinnen konnte. Bei Pick Szeged fehlten allerdings drei Nationalspieler, die fast zeitgleich mit Ungarn das olympische Halbfinale nur knapp mit 26:27 gegen Schweden verloren hatten.
Turnierorganisator Peter Kurth aus Zeitz war insgesamt zufrieden, mit dem was er in Hohenmölsen an sportlichen Leistungen gesehen hatte.
Auch mit den Zuschauern, die mit speziellen Klatschen ordentlich Lärm in der Halle machten, war der Berliner Sieg sicherlich recht. Auch wenn sie nicht so zahlreich nach Hohenmölsen gekommen sind. "Das ist schon okay, ich hatte sowieso nicht mit mehr als 200 Zuschauern kalkuliert. Aber die die da sind, sind offenbar sehr zufrieden", meinte Kurth, der allerdings nicht mit seinem Job als Hallensprecher zufrieden war. Erst hatte ihm der extra engagierte Ansager kurzfristig abgesagt und dann streikte immer mal wieder das Hallenmikrofon. Die Zuschauer störte es nicht, die waren zufrieden mit vielen, sehenswerten Toren und vor allem mit der Silvio-Heinevetter-Show, die der Berliner trotz der sportlichen Ziele gern bot.