Leichtathletik: «Olympia wäre ein Traum»

01.08.2012 19:11 Uhr | Aktualisiert 01.08.2012 21:39 Uhr
Läufer John-Philipp Bartholomäi. (FOTO: CARLO BÖTTGER) 
Von Matthias Voss
Der gebürtige Teucherner John-Philipp Bartholomäi schaut als großes Mittelstreckentalent in diesen Tagen gespannt auf die Spiele in London.
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Teuchern/Halle (Saale)/MZ. 

Wenn man einen Blick auf die Internetseite der Halleschen Leichtathletik-Freunde (HLF) wirft, findet man unter der Rubrik "Leistungssport" unter anderem auch die Athleten. Einen weiteren Klick und es erscheinen zunächst die HLF-Stars wie Diskus-Vizeweltmeisterin Nadine Müller und Zehnkämpfer Rico Freimuth. Bereits an fünfter Stelle findet man John-Philipp Bartholomäi.

Der 19-Jährige kommt aus Teuchern, geht seit vier Jahren auf das hallesche Sportgymnasium und gehört zu den großen Leichtathletik-Talenten der Region. Während John-Philipp derzeit in heimischen Gefilden beim Training schwitzt, bereiten sich Müller und Freimuth auf die olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe vor, die am Freitag in London beginnen. "Ja, das ist schon sehr interessant. Da werde ich vor dem Fernseher mitfiebern", sagt Bartholomäi, ist aber nicht neidisch auf seine Vereinskollegen. "Nein, dafür bin ich noch zu jung. Auch die Spiele 2016 in Rio de Janeiro werden wohl zu früh für mich sein, aber Olympia 2020? Das wäre schon ein Traum", erklärt der Mittelstreckenläufer, der noch in der A-Jugend startet.

Zutrauen würde er sich das auch - rein vom sportlichen her. "Aber ob ich dann so weit bin, dass ich von der Leichtathletik leben könnte?" fragt Bartholomäi. Um sich für Olympische Spiele vorzubereiten, müsse man Profi sein, so der 19-Jährige weiter. Um zwei- bis dreimal am Tag trainieren zu können, benötige er dann auf alle Fälle auch Sponsoren und diesbezüglich hat er erst schlechte Erfahrungen gemacht. "Letzte Woche habe ich bei der Sparkasse und diversen Autohäusern nach Unterstützung gefragt und nur Absagen bekommen. Leichtathletik ist nun mal eine Randsportart geworden," meint er und spricht von Fuß-, Hand- und Basketball und danach komme nichts weiter, was für die Öffentlichkeit interessant sei. Auch bei den Wettkämpfen würden nur Familie und Verwandte als Zuschauer auf den Tribünen sitzen. Deswegen denkt er erstmal nicht an eine mögliche Profikarriere "in vielleicht, wenn überhaupt, vier Jahren", sondern sieht in die nahe Zukunft.

Mit seinem Trainer Wolfgang Thier plane er immer nur das nächste halbe Jahr voraus. Zudem beginne er demnächst eine Ausbildung bei der Polizei, wenn auch in der Sportfördergruppe, auf die er sich erstmal konzentrieren möchte, "damit ich etwas in der Hand habe, falls es mit der Leichtathletik nicht mehr so klappen sollte." Und dann ist da auch noch der Sprung zu den Erwachsenen, den er ab Januar 2013 vollziehen wird. Das könne ein gewaltiger Unterschied zum Jugendbereich sein, so Bartholomäi: "Ich werde dann gegen Läufer antreten, die wesentlich älter und erfahrener sein werden als ich. Ich hab' schon von vielen Jugendlichen gehört, die in ihren Leistungen total stagniert sind und nicht mehr mit der Spitze mithalten konnten."

Gerade im Mittelstreckenbereich hat John-Philipp Bartholomäi aber alle Zeit der Welt. Eines seiner Vorbilder ist Olympiastarter Arne Gabius. Und der wurde vor wenigen Wochen überraschend Vize-Europameister über 3 000 Meter Hindernis - sein erster großer Erfolg, im Alter von 30 Jahren.