Fußball: Der letzte Pfiff

17.06.2012 19:51 Uhr | Aktualisiert 17.06.2012 20:14 Uhr
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Fußballspiel

Das Kreisliga-Spiel zwischen Droyßig (in Rot) und Könderitz war das letzte für Ullrich Baude. Er beendet seine Karriere nach 32 Jahren. (FOTO: ALEXANDER BLEY)

Von Ronny Banas
Ullrich Baude beendet nach 32 Jahren seine Schiedsrichterlaufbahn und blickt auf eine bewegte Zeit mit manch kuriosem Spiel zurück.
Droyssig/MZ. 

Es gibt wohl schlimmere Spiele für einen Schiedsrichter, als die Kreisliga-Partie zwischen der Droyßiger SG und der SG Könderitz. Keine bösen Fouls, nicht mehr als das übliche Gemecker, zwischendurch noch satte sechs Tore. Da hat mancher Unparteiische schon schlimmeres Gekicke erlebt. Ein munteres Spielchen, das sich jeder wünscht. Vor allem dann, wenn es das letzte Spiel als Schiedsrichter überhaupt ist.

Ullrich Baude, 70 Jahre alt, griff am Sonnabend gegen 14.50 Uhr zum letzten Mal zur Trillerpfeife, schaute zum letzten Mal auf die Uhr und beendete mit drei Pfiffen nicht nur das Spiel, sondern auch seine Karriere. Nach 32 Jahren. Ein bisschen Wehmut lag im letzten Schlusspfiff, sagt Baude. "Es wird mir etwas fehlen. Das ist doch klar." Man gewöhne sich nach so langer Zeit irgendwie daran. Doch mit zunehmendem Alter sei es immer schwerer, noch mitzuhalten. "Ich habe mich dazu entschieden aufzuhören, bevor ich mich noch verletze. Das will ich nicht mehr mit 70 Jahren. Ein schwerer Entschluss nach so vielen Spielen. Wie viele er leitete, das, so sagt der 70-Jährige, wisse vermutlich niemand mehr so richtig. Über 1 500 auf jeden Fall, fast schon 2 000.

Es sei unmöglich, sich an alle zu erinnern. Ein paar spezielle Partien aber, die werde man so schnell nicht vergessen. Vor allem das eine. "Es muss irgendwann in den 90er Jahren gewesen sein", fängt Ullrich Baude zu erzählen an. "Spora gegen Könderitz, ein normales Spiel. Zumindest am Anfang. Aber dann ging es los." Fünf rote, doppelt soviel gelbe Karten und ein Spiel am Rand des Abbruchs. Zum Glück sei so etwas die Ausnahme, aber es komme eben vor. Heutzutage öfter als noch vor zehn Jahren. "Die Spieler meckern eindeutig mehr als damals. Das wird manchmal fast übertrieben. Irgendwie kann ich verstehen, dass sich niemand mehr bereiterklärt, Schiedsrichter zu werden", sagt er nachdenklich.

Auch wegen solcher Begebenheiten wie vor zwei Jahren. "Da ist die Gastmannschaft beim Stand von 0:2 einfach geschlossen vom Platz gegangen. Ich habe schon viel gesehen,. Aber so etwas habe ich bis dahin überhaupt noch nicht erlebt", schimpft er auch heute noch. Das zeuge nicht gerade von Fairness und Sportsgeist. Tugenden, die Ullrich Baude im Laufe seiner Karriere immer hochgehalten halt. Und Verlässlichkeit. "Der Ulli war immer zuverlässig. Immer", sagte Manfred Fleischer, bis vor zwei Jahren Schiedsrichteransetzer im Bereich Zeitz und langjähriger Weggefährte von Baude. "Wenn ich ihn früh anrief und fragte, ob er am Nachmittag schnell einspringen kann, hat er niemals Nein gesagt." Solche Leute brauche man heutzutage, sonst funktioniert gar nichts mehr.

Auch bei Fleischer lag auf dem Droyßiger Sportplatz zu Baudes letztem Auftritt Wehmut in der Luft. "Irgendwie endet eine Ära." Für Rosemarie Baude, Ehefrau des Nonnewitzers, hingegen beginnt eine neue. Eine Zeit ohne Fußball, auch, wenn sie es sich bislang noch gar nicht vorstellen kann. "Es gehörte ja zu unserem Leben dazu. Ich sehe es so. Jetzt hat er mehr Zeit für mich", sagt sie lachend. Und Baude selbst? Kann er sich ein Leben ganz ohne Fußball vorstellen? "Ja, zweifelsfrei. Ich werde in nächster Zeit keinen Platz mehr betreten. Ich brauche erst einmal Abstand."