Sachsen-Anhalt hat eines der modernsten Gleichstellungsgesetze für Behinderte. Es sieht unter anderem Barrierefreiheit für alle Neubauten des Landes vor. Mit viel Pomp hat Deutschland außerdem die UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen ratifiziert. Allseits gehört der Satz "Behinderte sind nicht behindert, sie werden behindert" zum Repertoire von Sonntagsreden. Es ist daher beschämend, dass bei einem der größten Bauprojekte der letzten Jahre offenbar wesentliche Aspekte der Barrierefreiheit einfach nicht berücksichtigt wurden. Ob mit System oder aus Versehen muss nun im Ministerium geklärt werden. Doch der Vorgang zeigt, dass die Menschen mit Behinderungen immer noch allzu oft hintanstehen müssen, wenn Sparzwänge herrschen. Dabei ist Barrierefreiheit nicht nur ein Thema für die Nische. Die Zahl der Menschen mit der einen oder anderen Behinderung wächst, und alle "Normalos" sollten sich klar machen, dass es vorübergehend oder dauerhaft jeden treffen kann. Wer Barrierefreiheit als lästig abtut, sollte sich einfach einmal für einen halben Tag in einen Rollstuhl setzen. Oft reicht es aber auch, nur mit Kinderwagen unterwegs zu sein.
Kontakt zum Autor: Felix Knothe