Betreuungsgeld: Geben und nehmen

06.06.2012 21:57 Uhr | Aktualisiert 06.06.2012 22:14 Uhr
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Katja Tichomirowa

Katja Tichomirowa (FOTO: MZ)

Katja Tichomirowa findet es tragisch, dass das Betreuungsgeld nur deshalb eingeführt wird, weil Horst Seehofer es will.

Vielleicht hilft es, der Angelegenheit einen anderen Namen zu geben: Vårdnadsbidrag. So sagen die Schweden zum Betreuungsgeld.

Schwedens Konservative, die das Betreuungsgeld 2008 wieder einführten, haben es inzwischen aus ihrem Parteiprogramm gestrichen. Es war, wie sich herausstellte, ein Reinfall. Weder erreichte es die Eltern, für die man es vorgesehen hatte, noch erzielte es den Effekt, den man sich davon versprochen hatte. In Schweden will kein Mensch mehr das Vårdnadsbidrag.

In Deutschland will Horst Seehofer das Betreuungsgeld. Weil Horst Seehofer es will, will es die CSU, muss es die Union wollen und auch die Kanzlerin. Die FDP wiederum ist ihr zu Willen, weil sie dafür die Förderung der privaten Pflegeversicherung erpressen konnte. Ein Geben und Nehmen. Andernorts nennt man den Missbrauch von Vertrauensstellungen Korruption.

Der Ratschluss des Horst Seehofer schwebt über allem, was der CSU als Zeitgeist gilt. Auch wenn Studien etwas anderes ergeben: Die Bayern verlangen nach Betreuungsgeld, sagt ihr Ministerpräsident. Auch die schwedischen Christdemokraten nahmen an, ihre Wähler wollten das Vårdnadsbidrag. Die Annahme war falsch.

Kontakt zur Autorin:Katja Tichomirowa