Cern: Elementar

04.07.2012 21:49 Uhr | Aktualisiert 04.07.2012 22:10 Uhr
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Christian Bos

Christian Bos (FOTO: MZ)

Christian Bos meint, dass die Entdeckungen im Teilchenbeschleuniger Cern ein Durchbruch sind.

Nur scheinbar hat ein Ding eine Farbe, nur scheinbar ist es süß oder bitter; in Wirklichkeit gibt es nur Atome im leeren Raum", meinte der griechische Philosoph Demokrit. Ein Gedanke, der nun, gut 2 400 Jahre später, zu Ende geführt wurde. Forscher am Teilchenbeschleuniger des Cern haben ein Elementarteilchen gefunden, bei dem es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um das gesuchte Higgs-Boson handelt.

Das Higgs-Boson beweist, dass ein Energiefeld das Vakuum des Universums durchmisst und den kleinsten Bausteinen der Materie Masse verleiht. Ohne den Higgs-Mechanismus zischten wir alle unverbunden in Lichtgeschwindigkeit durchs All. Sterne, Leben? Fehlanzeige!

Insofern ist der Name "Gottesteilchen" dem Pathos nach angebracht. Das Higgs-Boson zeigt, was die Welt im Innersten zusammenhält - Physiker am Cern nutzten häufig das "Faust"-Zitat. Für Demokrit war Erkenntnisgewinn nichts Faustisches. Stattdessen befreie die Einsicht in physikalische Notwendigkeiten von törichter Furcht und eitler Hoffnung. Denn keine Macht von außen könne diese Gesetze beeinflussen. Der treffendere Name für das Higgs-Boson wäre eher: das Anti-Gottesteilchen.

Kontakt zum Autor: Christian Bos