EM-Aus gegen Italien: Erfolg ist nicht alles

29.06.2012 18:55 Uhr | Aktualisiert 29.06.2012 19:03 Uhr
Drucken per Mail
Christian Elsaeßer

Christian Elsaeßer (FOTO: MZ)

m_elsaesser meint, dass der Aufstellungsfehler des Bundestrainers unmöglich über dessen Zukunft entscheiden kann.
Halle (Saale)/MZ. 

Von Null auf Hundert und zurück. Nirgendwo geht das so schnell wie im Sport. Nun also steht Bundestrainer Joachim Löw wegen seiner personellen Rochaden beim EM-Aus gegen Italien in der Kritik. Was gegen Griechenland so hervorragend klappte, ging nun in die Hose. Einmal Hero, einmal Zero - ein Absturz mit knallharter Landung.

Die Königsfrage ist nun, welche Lehren Löw und der Deutsche Fußball-Bund aus dieser Pleite ziehen. Ist es sinnvoll, Löw zur Diskussion zu stellen? Muss ein taktischer Fehler automatisch das Aus bedeuten? Und vor allem: Welche Botschaft ginge davon aus?

Vielleicht ist Letzteres der entscheidende Punkt. Die Nationalmannschaft hat sich in den vergangenen Jahren, ausgehend vom WM-Sommermärchen 2006, Schritt für Schritt zu einem Gesellschaftsfaktor entwickelt. Sie ist ein Massenphänomen, das nationales Bewusstsein ohne tumbe Deutschtümelei erlaubt - siehe die riesigen Public-Viewing-Veranstaltungen überall in der Republik. Sie ist ein Symbol des Integrationsvermögens in diesem Land - siehe die vielen Spieler mit ausländischen Wurzeln. Und sie ist nicht zuletzt Kind eines vorbildlichen Ausbildungssektors, der beweist, wie Leistungspotenziale ausgeschöpft werden können.

Wer all diese Faktoren in der Bewertung allein sportlichem Erfolg unterordnet, verkennt, welche Botschaft er damit aussenden würde. Eine Hire-and-Fire-Mentalität widerspräche allem, was der DFB verkörpert: perspektivisches Denken, nachhaltiges Arbeiten.

Das Vertrackte an der Situation ist aber, dass dieser Aspekt auch zum Totschlagsargument werden kann. Sport ist leistungs- und damit auch ergebnisorientiert. Und die Zukunft eines Bundestrainers allein nach gesellschaftlichen Fragen zu erörtern, wäre ebenso unsinnig. Die Diskussion um Löws Zukunft muss also auf zwei Ebenen stattfinden: Hat das Team unter ihm noch sportliche Entwicklungsmöglichkeiten? Und: Verkörpern Bundestrainer und Team eine funktionierende und glaubwürdige Einheit?

Die Antwort muss der DFB geben. Nur: Allein ein Fehler gegen Italien wird dafür nicht der Maßstab sein können.

Kontakt zum Autor: Christian Elsaeßer