Eines steht fest: Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat enttäuscht. Hier die hohen Erwartungen der Börsianer, die darauf setzten, die EZB werde sofort mit dem Ankauf von italienischen und spanischen Staatsanleihen beginnen. Dort die Hoffnungen der deutschen EZB-Kritiker, die nur darauf warteten, auf ihn einschlagen zu können, der bedingungslos Geld für Südeuropa druckt.
Doch Draghi hat es klug angestellt. So skizzierte der Präsident nur, was seine Experten ausarbeiten sollen. Bei aller Vorsicht zeichnen sich drei grobe Linien ab, die allesamt positiv stimmen. Erstens wird die EZB über die Anleihekäufe nicht im Alleingang entscheiden, sondern zusammen mit den Finanzministern, die über den Rettungsschirm mitsprechen. Zweitens gibt es deswegen nur Hilfe der Notenbank, wenn die wackeligen Staaten die Auflagen des Rettungsschirms annähernd erfüllen. Damit bliebe die deutsche Forderung, keine Hilfe ohne Gegenleistung erfüllt.
Drittens machte Draghi klar, dass die EZB, wenn sie kauft, unbegrenzt vorgehen wird. Damit gewönne sie gegen die Spekulanten und bekämpfte die Euro-Krise im Kern.
Bravo, signor Presidente!
Kontakt zum Autor: Robert von Heusinger