Katholikentag: Mauerfall

20.05.2012 19:21 Uhr | Aktualisiert 20.05.2012 19:27 Uhr
Drucken per Mail
Harald Biskup

Harald Biskup sieht deutliche Reformsignale, die vom Katholikentag in Mannheim ausgehen.

Die Kirche brauche so etwas wie einen 9. November, einen Mauerfall auf katholisch sozusagen. Häufig ist die Metapher auf dem meist von westdeutschen Besuchern geprägten Laientreffen strapaziert worden. Und gäbe es noch Protest-Resolutionen wie auf den turbulenten katholischen Kirchentagen der 70er und 80er Jahre, die Forderung wäre von der großen Mehrheit der Teilnehmer bejubelt worden.

Aber auch ohne Entschließungsanträge ist der Hunger nach Reformen deutlich geworden. Das Verlangen nach Umsetzung uralter Forderungen wie der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten und von Frauen zum Diakonen-Amt kommt längst aus der Mitte der Kirche.

Im Jubiläumsjahr des Zweiten Vatikanischen Konzils ist intensiv wie lange nicht der Reformgeist von vor 50 Jahren beschworen worden. Doch die Neuauflage eines Konzils erscheint illusorisch. Der als Reaktion auf den Missbrauchsskandal eingeleitete "Dialog-Prozess" tritt auf der Stelle. Was aber spricht angesichts vieler ungelöster Probleme gegen die Wiederbelebung einer Pastoral-Synode wie weiland in Würzburg? Nichts. Außer Kleinmut, und der ist unchristlich.

Kontakt zum Autor:Harald Biskup