Kai Gauselmann (FOTO: MZ)
Bei Pisa-Hysterie und ewigen Strukturdebatten über Schulformen gerät oft in den Hintergrund, dass der Bildungserfolg doch maßgeblich davon abhängt, was Lehrer fachlich und didaktisch können.
Lehrern ein Prozente-System für die Notenbildung an die Hand zu geben ist dabei aber in einen Erlass gegossenes Misstrauen. Das Land täte gut daran, komplett auf einen solchen Schlüssel zu verzichten und den Lehrern freie Hand bei der Notenvergabe zu lassen. Die Schlüssellösung gaukelt auch nur Überprüfbarkeit vor. Was bei einer Mathe-Arbeit noch funktionieren mag, wird in anderen Fächern albern - etwa wenn geurteilt werden muss, ob eine Gedichtinterpretation 39 oder 40 Prozent der Bestleistung erreicht.
Die hohe Abbrecherquote ist ein drängendes Problem. Will man es nachhaltig lösen, muss man etwa in Lehreraus- und fortbildung sowie neue Lehrerstellen investieren. Das ist teuer und dauert. Der neue Schlüssel verspricht schnellere Erfolge, weil Schüler leichter die oftmals rettende Vier erreichen. Falls der Kultusminister in zwei, drei Jahren eine deutliche Besserung der Abbrecherquote feiern sollte, zieht er vielleicht nur ein As aus dem Ärmel, das er sich jetzt hineinsteckt.
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