Wovor hat der russische Präsident eigentlich Angst? Mit mehr als 60 Prozent der Stimmen im März in seine dritte Amtszeit gewählt sollte Wladimir Putin die Opposition doch souverän ertragen. Stattdessen setzt er sie zunehmend unter Druck. Jüngstes Beispiel: das Internet-Gesetz, das es möglich macht, bestimmte Web-Seiten abzuschalten. Regierungskritiker sehen einen Einstieg in die Zensur des Netzes. Der Prozess gegen die Punkband "Pussy Riot" reiht sich da ein. Ihre Aktion mag geschmacklos gewesen sein. Doch die Reaktion des Staates ist übertrieben. Putin, so scheint es, will ein Exempel statuieren.
Der Präsident weiß, dass er nicht mehr der Hoffnungsträger des Jahres 2000 ist, der das Chaos der Jelzin-Ära beseitigt. Die Gesellschaft hat sich gewandelt - die Mittelschicht tritt selbstbewusst auf. Junge Leute trauen den staatlichen Medien nicht mehr. Sie tauschen sich über bisher unzensierte soziale Netzwerke aus. Hinzu kommt, dass aufgrund der weltweiten Krise auch die Wirtschaft nicht mehr so boomt wie noch am Anfang des Jahrhunderts. Das alles könnte Putin gefährlich werden. Seine Maßnahmen sind Abwehrreflexe. Er hat schlicht Angst vor seinem Volk.
Kontakt zur Autorin:Bärbel Böttcher