Moody's hat gesprochen: Die US-Ratingagentur hält die Spitzenbonität Deutschlands für gefährdet. Die Aufregung ist groß, obgleich die Amerikaner nur benennen, was sich längst herumgesprochen hat. Ja, natürlich muss Deutschland aufpassen, sich bei der Euro- und Banken-Retterei nicht zu übernehmen. Und selbstverständlich spitzt sich die Lage weiter zu, wenn Griechenland aus der Währungsunion fliegt.
Alles richtig. Doch größere Bedeutung sollte man den abgehangenen Neuigkeiten nicht beimessen. Die US-Agenturen haben in den letzten Jahren alles dafür getan, sich selbst unglaubwürdig zu machen.
Von unabhängigen Bonitätswächtern aber darf man erwarten, dass sie nicht mit zweierlei Maß messen. Genau das aber tun sie, wenn sie den hoch verschuldeten USA weiterhin eine Spitzenbonität zubilligen, Italien aber fast auf Ramschniveau herabstufen. Von objektiven Fakten sind solche Urteile schon lange nicht mehr gedeckt. Moody's und Co. erhärten so nur den Verdacht, Handlanger der Wall Street zu sein. Ein Verdacht, sicher, nicht mehr. Aber man muss schon sehr naiv auf die US-Agenturen blicken, um hier einen Hort unabhängiger Finanzweiser zu erblicken.
Kontakt zum Autor:Peter Hahne