Hans-Jürgen Greye (FOTO: MZ)
Entschuldigung? Angenommen. Das Dessauer Ordnungsamt hat schnell auf den Fehltritt einer Mitarbeiterin reagiert. Dass rechtsextremes Vokabular in ein amtliches Schreiben gerutscht ist - es war ganz offensichtlich Ergebnis fataler Gedankenlosigkeit.
Auch wenn Empörung aufkommt: Der Vorgang taugt nicht, dem Dessauer Rathaus einen braunen Stempel aufzudrücken. Es wäre geradezu dumm und oberflächlich, so zu denken und Skandal, Skandal zu schreien.
Die Angelegenheit sitzt tiefer. Darüber lohnt es sich nachzudenken, ohne gleich zur Tagesordnung überzugehen. Keine Ahnung, wie vielen Dessauern das Alternative Jugendzentrum im Norden der Stadt als "Zeckenhaus" geläufig ist. Und wie viele den Begriff unüberlegt benutzen. Sagt man halt so. Alltagsgebrauch, nichts dabei gedacht. So wie man unschuldig über den ausländerfeindlichen Witz lacht. Oder in Rage ein rassistisches Schimpfwort wählt.
Alles halb so schlimm? Nein, ziemlich gefährlich. Wer sein Gehirn nicht einschaltet, landet schnell in der Gedankenwelt der Rechtsextremen. Und trägt dazu bei, die womöglich salonfähig zu machen. Auch wenn es heißt: Das haben wir doch nicht gewollt.
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