Solarförderung: Totales Desaster

27.06.2012 19:19 Uhr | Aktualisiert 27.06.2012 19:30 Uhr
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Jakob Schlandt

Jakob Schlandt. (FOTO: MZ)

Jakob Schlandt lehnt den Kompromiss zur Solarförderung ab, weil er Torschlusspanik erzeugt und Fehlentwicklungen zementiert.

Das Wetter in den vergangenen Wochen war durchwachsen. Dennoch drängt sich - mit Verlaub - ein Verdacht auf: War da jemand zu lang in der Sonne? Am Mittwoch stimmte der Vermittlungsausschuss zwischen Bund und Ländern über die Solarförderung ab. Für die deutsche Energiepolitik ist das Ergebnis ein Offenbarungseid. Denn eigentlich wollte die Regierung verhindern, dass die teure Solarförderung weiter ausufert, dass in einer Geschwindigkeit, die weder sinnvoll ist noch sich langfristig durchhalten lässt, neue Photovoltaik-Anlagen ans Netz gehen.

Die Ausgangslage war, dass 2010 und 2011 je rund 7,4 Gigawatt neue Kapazität installiert wurden. Ein enormer Wert, der um das zehnfache über den Plänen des Umweltministeriums von 2006 liegt. Selbst die Solarindustrie hielt es vor einem Jahr noch für sinnvoll, auf drei bis fünf Gigawatt zu drosseln. Erstens, um die Kosten zu verringern. Denn auch wenn die Förderung stetig gesunken ist, die Betreiber erhalten immer noch ein Vielfaches des Preises, den Kraftwerksstrom an der Börse kostet. Zweitens: Wohin mit dem Solarstrom? Schon jetzt wird es in den Verteilnetzen in Süddeutschland äußerst eng, aber jenseits der 50 Gigawatt Gesamtkapazität wird es für das gesamte Netz kritisch. Derzeit sind etwa 28 Gigawatt installiert.

Der nun gefundene Kompromiss berücksichtigt dieses Problem scheinbar. Bei 52 Gigawatt soll Schluss sein mit der Solarförderung - egal, wann das Ziel erreicht wird. Doch das wird schnell der Fall sein. Nicht nur, dass das Herauszögern des Solarkompromisses durch die Bundesländer im Augenblick einen Boom entfacht hat. Nicht nur, dass die angesichts fallender Preise ohnehin satte Förderung nun auch noch teilweise verbessert wurde. Nicht nur, dass das alles vor allem den chinesischen Produzenten nutzen wird. Nun ist auch noch ein endgültiges Ende der Förderung absehbar und bei vielen Investoren wird Torschlusspanik einsetzen. Womöglich werden dieses Jahr annähernd zehn Gigawatt Solaranlagen ans Netz gehen. Wenn es dann so weiter geht, ist Mitte 2014 Schluss mit der Solarförderung.

Für unser Land wäre das eine geradezu irre Entwicklung: Für zwei Jahre baut die Solarindustrie noch einmal Kapazitäten auf, Handwerker werden geschult und Lager vergrößert. 2014 ergäbe das eine vernichtende Bilanz: Deutschland hätte in der Rückschau riesige Mengen Photovoltaikanlagen gebaut, als die Technik noch extrem teuer war. Deutschland hätte, weil unverständlicherweise auf industriepolitische Elemente verzichtet wurde, China eine leistungsfähige Solarindustrie finanziert. Und ab 2014 wären dann nicht nur die Modulhersteller, sondern auch die Handwerker pleite. Und dafür zahlen die Verbraucher mehr als 100 Milliarden Euro in den kommenden 20 Jahren.

Die Solarförderung in Deutschland ist mit dem Ergebnis des Vermittlungsausschusses von einem schwerwiegenden Fehler zu einem totalen Desaster geworden. Als Vorbild, wie ein Land die grüne Wende effizient und industriepolitisch sinnvoll schafft, hat Deutschland jetzt endgültig ausgedient.

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