Domenik (l.) und Anton probieren ein Geschicklichkeitsspiel. (FOTO: JUNGHANS)
Zwei Monate nach dem Einzug ins neue Domizil hat sich die "Ameisen-Gruppe" der Stöbnitzer Kindertagesstätte nicht nur am Geiseltalsee-Aussichtsturm eingerichtet. Die Steppkes der landesweit ersten Abenteuer-Kita sind schon richtige Naturkinder geworden, die sich in Räuberzivil richtig wohl fühlen, über Baumstämme balancieren und über Seile hüpfen, die sie zwischen den Sträuchern montiert haben.
"Nintendo spielen sie höchstens noch in ihrer Fantasie mit großen flachen Steinen, die sie finden und auf denen sie dann imaginäre Tasten drücken", berichtet Erzieherin Silvia Taschner.
Sie ist mittlerweile voll und ganz überzeugt vom Konzept, den ganzen Tag mit den Kleinen draußen zu verbringen. Selbst wenn es nicht wie am Dienstag warm und trocken ist, auch wenn die Eisheiligen herrschen, versichert sie. "Jeder Tag ist anders. Und es ist eigentlich immer schön. Selbst ich nehme jetzt viel intensiver wahr, wie sich die Natur verändert. Und an den Kindern merke ich nur positive Veränderungen. Vor allem ihre Teamfähigkeit hat sich gut entwickelt", schätzt Silvia Taschner ein.
"Nach und nach können wir unsere Vorstellungen umsetzen", schaut sich Petra Fischer um. Sie ist die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft Kinderland Geiseltal, in der alle Kitas der Stadt Mücheln mit Ausnahme von Branderoda vereint sind. Petra Fischer verweist auf die Anpflanzungen von Bäumen wie Sanddorn oder Esskastanie, die man nicht jeden Tag sieht. Sie zeigt die Märchenecke mit Baumstämmen unter einer Trauerweide, wo sich die Mädchen und Jungen nach dem Mittagessen ausruhen können.
Gleich daneben befindet sich die XXL-Sonnenuhr des Müchelners Karl Sonntag kurz vor der Fertigstellung. "Er ist sehr engagiert bei der Sache, kommt mehrfach in der Woche vorbei", ist zu erfahren. Vor allem durch Fördermittel und Sponsoren könne das Gelände weiter aufgewertet werden. Manchmal packen die sogar richtig mit an wie am Dienstag Michael Scheffler, Kommunalbetreuer bei der EnviaM, der half, den Container neu anzustreichen, damit bei der bevorstehenden offiziellen Eröffnung das Gesamtbild stimmt.
Und dann erzählt Petra Fischer stolz von den vielen Anfragen nach freien Plätzen in Sachsen-Anhalts erster Abenteuer-Kita. Erfüllen freilich kann sie diese Wünsche derzeit nicht. "Wir sind ausgebucht". "Kein Wunder, was gibt es besseres für Kinder als den ganzen Tag draußen zu spielen", weiß Müchelns Bürgermeister Andreas Marggraf (parteilos).
Nur eines macht Petra Fischer betroffen. Schon mehrfach kam es im Reich der "Ameisen-Gruppe" zu Vandalismus und Sachbeschädigung. "Zuletzt nahmen die Täter sogar die Dekorationsstücke aus Naturmaterial mit, die die Kinder zusammengetragen hatten", ist sie traurig.