Der Pavillon rechts neben dem Bad Lauchstädter Kursaal birgt ein Geheimnis. Unter dem Parkett versteckt liegen zwei verschüttete Sandstein-Badewannen aus der Bauzeit des barocken Ensembles ab 1780. Denn das Häuschen war mal eine Badeanstalt. So erklärt sich auch sein Name: Douche-Pavillon.
Die Steinwannen sollen nun wieder ans Licht geholt werden - als Teil der dort geplanten badegeschichtlichen Sammlung der Historischen Kuranlagen. Doch dazu muss der Pavillon saniert werden. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Saalesparkasse wollen deshalb am Samstag einen Zuwendungsbescheid über einen sechsstelligen Betrag übergeben - und damit auch das Land in Zugzwang bringen. Denn die Baumaßnahme wurde bereits Ende 2011 beantragt.
Wasser stürzte vom Dachboden
1968 wurden die römischen, also in den Boden eingelassenen, Wannen letztmals freigelegt. "Zwei bis drei Leute hatten früher darin Platz - sittsam getrennt zwischen Frauen und Männern", erklärt Kuranlagen-Chef René Schmidt. Über ein Leitungssystem sei Wasser ins Dachgeschoss transportiert, in Kupferwannen erwärmt und dann über Rohre von oben auf die Badenden gegossen worden.
In der Schau sollen die Wannen durch eine begehbare Glasplatte sichtbar sein. Ein Modell im Dachgeschoss wird die Funktionsweise erklären. Dort liegen noch die Steinplatten, auf denen früher die 80 bis 100 Liter Wasser fassenden Kupfergefäße standen. Bis vor zwei Jahren lag dort hüfthoch der Taubendreck.
Ein Blick nach oben zeigt das Ausmaß der Schäden: Die noch von 1780 stammende hölzerne Kuppelkonstruktion ist völlig marode, auch im Holzboden steckt der Schwamm. "Es sei ein Wunder, dass die Kuppel überhaupt noch hält, haben uns Experten gesagt", so Schmidt. Sie sei viel stärker beschädigt, als es der Dachstuhl des Nachbar-Quell-Pavillons war, der für 140 000 Euro saniert wurde und als Besucherzentrum dient.
Zwischen Dachboden und Erdgeschoss befinden sich zwei weitere Räume - die früheren Wohnungen des Badearztes und des Brunnenknechts, der auch dafür verantwortlich war, dass das Duschsystem funktionierte. Diese Kammern sollen in der Ausstellung zu Epochenräumen werden und zeigen, wie die Menschen gelebt haben.
"Das Mobiliar dafür haben wir", sagt Schmidt. Wie groß der Sanierungsaufwand im Zwischengeschoss wird, müsse eine Untersuchung zeigen. "Aber je größer der Eingriff wird, um so größer ist auch der Verlust an Authentizität."
Die Baumaßnahme wird allerdings eine Doppelaktion. Denn auch der Herzog-Pavillon im Park soll saniert werden. Das Fachwerkgebäude wurde 1738 vom letzten Herzog von Sachsen-Merseburg, Heinrich, an der Stelle des heutigen Kursaals erbaut und wegen des Kursaal-Baus 1780 an seinen jetzigen Platz versetzt. Er war der Spielsalon des Kurbades und steht genau über dem Kanal der Laucha - "damit die Spielenden einen kurzen Weg hatten, um ihre Notdurft zu verrichten", weiß Schmidt.
Doch wegen der direkten Kanalnähe dringt massiv Feuchtigkeit ein. Eine Elektroheizung muss das ganze Jahr über laufen, verschlingt 9 000 Euro, damit die dort gezeigten Leihgaben aus Schloss Pillnitz keinen Schaden nehmen. Auch die Elektrik ist vorsintflutlich und schränkt die Nutzung für Veranstaltungen ein. "Bei der Sanierung sollen beide Pavillons eine Heizung erhalten, die auch die Feuchtigkeitsprobleme löst", so Schmidt.
Warten auf Kreistagsbeschluss
Die Kosten für diese offiziell als "kleine Baumaßnahme" eingeordnete Aktion werden deutlich unter einer Million Euro liegen. Über die Hilfe der Sparkasse freut sich Schmidt. "Während die Mittel des Landes für die landeseigenen Kuranlagen und das Goethe-Theater ab 2013 drastisch gekürzt werden, baut die Saalesparkasse ihr Engagement deutlich aus."
Mit der Scheckübergabe werde das Land "in Zugzwang versetzt, denn die Mittel fließen nur, wenn das Finanzministerium grünes Licht für die Sanierung gibt", so Schmidt.
Aus Magdeburg kommen positive Signale. "Mit der Planung könnte man sofort beginnen, 2013 / 14 wäre die Bauausführung möglich", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Man warte nur noch auf das bestätigte Gesamtkonzept für die Kuranlagen samt künftiger Gesellschafterstruktur. Dazu zähle beispielsweise der mögliche Einstieg der Stadt Bad Lauchstädt und der Kreistagsbeschluss zur Mitfinanzierung durch den Kreis.