Auch im Saalekreis sollen leistungsstarke und -schwache Schüler länger gemeinsam lernen. (FOTO: ARCHIV)
In diesen Tagen ist viel von Inklusion die Rede. Ein sperriger Begriff, der aber ein ehrendes Ziel verfolgt. So hat der Saalekreis hat mit dem Burgenland ein Inklusions-Bündnis gegründet, um Chancengleichheit und Vielfalt zu unterstützen. Die Inklusion - also die Vielfalt - ist auch ein bestimmendes Thema in der Bildungspolitik in Sachsen-Anhalt. Kinder und Jugendliche sollen länger gemeinsam lernen.
Geplant ist beispielsweise, dass leistungsstarke und -schwache Schüler in der Grundschule bis zur vierten Klasse zusammen die Schulbank drücken. Auch in der weiteren Schullaufbahn sollen die Mädchen und Jungen möglichst lange beisammen bleiben. Diejenigen Kinder, die einen hohen Förderbedarf haben, kämen demnach erst später an Spezialschulen für Lernbehinderte, wie es sie im Saalekreis beispielsweise in Merseburg oder Mücheln gibt.
Die Richtung ist klar, nur über die Umsetzung herrscht noch Verwirrung. So beklagt das Schulverwaltungsamt des Landkreises, dass es für seine Budgetplanung keine belastbaren Zahlen hat. "Die Befürchtung besteht momentan darin, dass die konzeptionellen Ansätze des Landes mit den aktuellen Strukturen und Personalzuweisungen in der derzeitigen Schullandschaft kaum zu bewältigen sind", sagt Kreissprecherin Kerstin Küpperbusch. Die Herausforderungen seien komplex.
Hinter vorgehaltener Hand zweifeln viele Lehrer an Sinn der Inklusion - und beziehen sich dabei auf die aktuellen Bedingungen an den Schulen. Dort fehlt es an speziell ausgebildeten Pädagogen ebenso wie an Räumlichkeiten. Die Förderschulen wiederum betonen, dass die Novelle nicht an der Existenz der LB-Schulen rüttelt. "Die Inklusion schafft uns nicht ab", meinte eine Schulleiterin gegenüber der MZ.
Kreistagsmitglied Thomas Lippmann (Soziale Liste), Landes-Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, warnt davor, die Inklusion zu zerreden. "Deutschland hat sich völkerrechtlich zur Umsetzung bekannt. Wir haben nur die Wahl, es gut oder schlecht zu machen", hatte er unlängst auf der Sitzung des Bildungsausschusses erklärt.
Lippmann gehörte zur Arbeitsgruppe "Gemeinsamer Unterricht", die das Kultusministerium Sachsen-Anhalts im September 2011 einberufen hatte. Im Mai hat die Runde, zu der Pädagogen, Vertreter von Verbänden aber auch Eltern und Schüler gehörten, ihre Empfehlungen vorgelegt. Darin spielen das Personal sowie die Ausstattungen der Schulen die zentrale Rolle. "Im Ergebnis der Diskussion soll der zeitliche Rahmen für die Umsetzung festgelegt werden", heißt es aus dem Ministerium.