Still ruht der See: Ob hier bald gebadet, gesurft oder gesegelt werden kann, ist ungewiss. (FOTO: NADINE STENZEL)
Wenn Olaf Patzer den Rasen seines See-Grundstücks mäht, steigt in ihm Ärger hoch. Seit vier Jahren warte er nun schon, sagt der 44-Jährige. Er wolle endlich seinen Campingplatz eröffnen und nicht nur mähen. Grund für die Warterei sei der noch nicht freigegebene Geiseltalsee im Süden Sachsen-Anhalts, einer der größten künstlichen Seen Deutschlands.
Die ehemalige Braunkohlengrube steht noch unter Bergrecht. Ende Mai soll die von Kommunalpolitikern, Geschäftsleuten und Anwohnern mit Spannung erwartete Entscheidung zur Freigabe fallen. „Dann ist die Saison schon gelaufen“, meint Patzer. Eine mögliche Freigabe komme für die laufende Geschäftszeit zu spät, fügt er hinzu.
Auf einer Halbinsel des Sees hat Patzer seit 2009 ein nach eigenen Angaben zehn Hektar großes Areal zum Campingplatz hergerichtet. „Für 300 Camperplätze plus Zeltstellflächen“, sagt er. Nach dem folgenschweren Erdrutsch von Nachterstedt am „Concordia“-Tagebausee wurde die Nutzung des Geiseltalsees auf den Prüfstand gestellt.
Notfalls müsse nachgebessert werden
Drei Menschen waren bei der Katastrophe von Nachterstedt im Sommer 2009 ums Leben gekommen. Am Geiseltalsee prüften noch immer Gutachter vom Landesamt für Geologie und Bergwesen die Standsicherheit von Böschungen, vor allem die der aufgekippten Flächen, sagt der Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Magdeburg, Robin Baake. Ende des Monats sollen die Untersuchungsergebnisse vorliegen. Im ungünstigsten Falle, wenn der See wieder nicht freigegeben werden könne, müsste nachgebessert werden, fügt Baake hinzu.
„Dann müssen geeignete Maßnahmen gefunden werden, um den See und vor allem die Böschungen sicher zu machen.“ Ziel sei weiterhin, das Gewässer als Naherholungsgebiet irgendwann teilweise freizugeben. Doch gehe die Sicherheit der Menschen vor, habe „oberste Priorität“, bekräftigt der Sprecher. Sicherheit sei wichtig, meint auch Müchelns Bürgermeister Andreas Marggraf (parteilos).
Klares Bekenntnis zum Standort gefordert
Badegäste und Kitesurfer gingen bereits illegal in und auf das Wasser. „Das macht mir Sorgen“, sagt der Bürgermeister der Stadt, die direkt am Geiseltalsee liegt. Das unkontrollierte Baden am See nehme zu. Die Stimmung im Ort sei „schwierig“ wegen der Ungewissheit, ob und wann der See freigegeben werde. „Wir brauchen endlich eine klare Aussage“, fordert er. Mehr als 300 Millionen Euro sind seinen Schätzungen zufolge bislang von allen Seiten in das Projekt Geiseltalsee gesteckt worden.
Marggraf befürchtet, dass potenzielle Investoren in die Leipziger Seelandschaft abwandern könnten, die in den vergangenen Jahren im Süden der sächsischen Stadt durch die Flutung früherer Braunkohlegruben entstanden ist, und hofft deshalb auf eine klare Entscheidung für den Geiseltalsee. Müchelns Bürgermeister hofft zumindest auf eine baldige teilweise Nutzung des Gewässers. Neben Baden und Bootfahren wäre dann auch der Betrieb eines Fahrgastschiffes ermöglich.