Die Kassen argumentieren, so würden überflüssige Operationen vermieden und Geld gespart. Krankenhäuser, die ihr Kontingent aufgebraucht haben, müssten nach den Plänen Zertifikate für weitere Operationen von anderen Kliniken mit weniger Eingriffe kaufen.
Diskussionen sind nicht neu
"Ich bin dagegen, dass man Gesundheit zur Ware erklärt", sagt dazu Peruth. Er kenne solche Diskussionen seit vielen Jahren, immer wieder gebe es diese Vorstöße, aber "diese Diskussionen gehen an der Sache vorbei", meint er. "Wir haben Patienten, die von niedergelassenen Fachärzten mit einer bestimmten Indikation, also Erkrankung, an uns überwiesen werden und die wir dann qualitätsorientiert und am Patienten ausgerichtet behandeln", erklärt er. Es werde mit den Patienten gesprochen und es werde auch geprüft, ob eine Operation notwendig wird. "Das wird nicht einfach gemacht, wir sind nicht unkritisch", so Peruth.
Änderungen würden aber immer mit dem behandelnden Facharzt abgesprochen. Es verstehe sich von selbst, dass unnötige Operationen nicht durchgeführt werden, sagt er entschieden. Man sei ein Klinikum, in dem viele Operationen stattfänden, aber dennoch nur "ein Mitstreiter im Bewerberreigen", ein Monopol habe man nicht.
Dass es eine Zunahme an Operationen gebe, vor allem die von der AOK kritisierten planbaren Leistungen wie Hüft- oder Kniegelenks-Eingriffe, sei hingegen unstrittig, aber für das hiesige Klinikum mit der Altersstruktur zu erklären. Demnach werde die Zahl solcher Operationen aufgrund der demografischen Entwicklung noch weiter steigen. "Die Menschen werden immer älter und nun schieben sich auch noch die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge nach oben", sagt Peruth. Dabei müsse seiner Ansicht nach bei allen Kosteneinsparungen die Gemeinnützigkeit im Vordergrund stehen. "Wir bestimmen unsere Preise nicht selber, die werden bestimmt", sagt er.
Regionale Merkmale betrachten
Es müsse auch immer die Region betrachtet werden, wie viele Krankenhäuser es dort gebe, welche Spezialisierungen sie haben. Zwar ist das Klinikum mit Standorten in Merseburg und Querfurt im Saalekreis konkurrenzlos, aber Halle, Eisleben, Schkeuditz oder Weißenfels sind nicht weit. "Der Patient hat die Wahlfreiheit, er muss nicht zu uns kommen. Aber wir freuen uns über jeden, der sich für uns entscheidet und uns vertraut", sagt Peruth. Zertifikatehandel "ist ein Signal in die falsche Richtung. Nochmal: Gesundheit ist keine Ware", so Peruth.