Na, was hat es wohl wirklich mit diesem Gabelabdruck auf sich? Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. (FOTO: WÖLK)
"Eigentlich hatte mich Stadtführer Lutz Brückner drauf gebracht, als er mich fragte. Kennen Sie eigentlich Gabel-Geschichten?", erzählt Nils Wiesner. Wenig später habe er schon an seinem Schreibtisch gesessen und angefangen, Gabel-Gedanken einzufangen und Ideen in Geschichten zu gießen. "Ich war selbst überrascht, wie schnell alles ging." Innerhalb von drei Tagen habe er das erste dreiviertel Dutzend Gabel-Geschichten fertig gehabt - und sie alle drehen sich um den bekannten Gabelabdruck auf einem Stein am Domplatz. "Und ich könnte vermutlich noch mehr Geschichten dazu schreiben", lächelt Wiesner.
Kaiser oder Goethe?
Doch er ist sich sicher, dass es in Merseburg noch viel mehr Menschen mit Phantasie gibt und ruft deshalb alle, die Spaß am Geschichtenschreiben haben, auf, sich Geschichten rund um die berühmteste Gabel von Merseburg auszudenken, sie aufzuschreiben und beim Wettbewerb um die "Merseburger Goldene Gabel" mitzumachen. Denn mal ehrlich, meint er, könnte es nicht auch die Austerngabel eines französischen Soldaten gewesen sein, der zusammen mit Kaiser Napoleon die Stadt durchquert hat? "Oder hat sie Johann Wolfgang Goethe niederfallen lassen und dabei die Worte 'Verweile hier, du glänzt so schön!' geseufzt?", schmunzelt Wiesner. "Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich nicht wenigstens 111 vollkommen verschiedene Geschichten ersinnen ließen, die die Neugier eines jeden Wissensdurstigen stillen können, oder?!" Er wünsche sich, dass sich Schüler, Studenten und Erwachsene an dem Wettbewerb beteiligten und ihrer Phantasie freien Raum ließen. "Da kann jeder seinem Affen Zucker geben, es ist auch egal in welcher Zeit die Geschichte spielt. Denn niemand weiß, wann sich was abgespielt hat", ermuntert Wiesner alle Merseburger zum Schreiben.
Nicht nur für die Schublade
Die schönsten Geschichten sollen auch nicht nur für die "Edition Schublade" geschrieben werden, wie Nils Wiesner seine eigenen Werke nennt, die noch nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen sind. "Die besten Geschichten werden beim 2. Merseburger Bürger-Campus im November vorgelesen", verspricht der Merseburger, der Bücher wie "Das Raunen der Runen" und "Ferien auf Burg Kahleberg" geschrieben hat. Denn am 10. November soll unter anderem die alte Domapotheke in eine Literaturapotheke verwandelt werden. Dort wird man die Autoren des "Leseturms", des Literaturkreises Merseburg, treffen. Dort sollen die besten Gabel-Geschichten vorgelesen werden, und dort wird die Jury auch verkünden, wer die "Merseburger Goldene Gabel" gewinnt.
Wir dürfen gespannt sein, ob sich die Merseburger verführen lassen, quasi Geschichten "aufzugabeln".
Dem oder den Siegern - denn es wird vermutlich eine Unterteilung in die Altersklassen Kinder und Erwachsene geben - winkt ein Preis, der wohl definitiv etwas mit einer Gabel zu tun haben wird.