Merseburg: Attacken auf die Schließungspläne

12.07.2012 20:53 Uhr | Aktualisiert 12.07.2012 21:34 Uhr
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Von Frank Czerwonn
Die drohende Schließung des Kreis-Schullandheims "Tabakstanne" im Erzgebirge hat heftige Kritik bei Eltern, Kindern und Erzieherinnen ausgelöst.
Merseburg/MZ. 

In Leserbriefen, Anrufen und auf der Internetseite der MZ machen sie ihrem Ärger Luft. Denn viele Schüler sind dort seit Jahren Gäste, haben die Ferien in der malerisch gelegenen Anlage bei Thalheim verbracht oder das Heim mit der Schulklasse besucht.

Fußballcamp vor Ostern

"Ich kann das gar nicht glauben", sagt Kathrin Ollendorf. "Mein Sohn hat dort schon mehrfach tolle Ferienwochen erlebt." Kurz vor Ostern habe der Zehnjährige dort im Fußballcamp gespielt, auch in den bevorstehenden Sommerferien soll er nach Thalheim reisen. "Das ist ein tolles Angebot des Kreises, das zudem bezahlbar ist", so Ollendorf.

Auch die elfjährige Tochter von Michaela Müller war schon mit Mitschülerinnen in dem Ferienlager. "Sie hat richtig geschwärmt davon", so Müller. "Solch ein Angebot darf man doch nicht aufgeben."

Bereits für die Pfingstferien 2013 haben sich die "Freizeitstrolche" des Horts der Curieschule Merseburg eingebucht. In einem Brief schreiben sie: "Liebe Mitglieder des Kreistages, wir haben eine große Bitte: Wir würden gern unseren Reisetermin in den Pfingstferien 2013 wahrnehmen und noch viele weitere Jahre unsere Ferien in Thalheim verbringen." Zugleich fragen die Erzieherinnen, warum man nicht schon vor Jahren begonnen habe, das Haus schrittweise zu sanieren. "Die Notwendigkeit von dringenden Sanierungsarbeiten war bereits bekannt."

Heim gehört zum Bildungsangebot

Auf www.mz-web.de scheibt der User K. Löw, dass bei einer 80-prozentigen Auslastung zumindest eine Alternative angeboten werden müsste. "Oder soll das Angebot für Schulklassen ganz wegfallen? Auch ein Landschulheim gehört zum Bildungsangebot." Und ein anderer User meint, es sei "bezeichnend, auf welche Weise eine soziale Einrichtung mit überregionaler Bedeutung aktionistisch geschlossen werden soll". Die "Tabakstanne" habe den nachteiligen Auswirkungen sozialer Ungleichheit gerade bei Kindern entgegengewirkt.

Immerhin: In den Sommerferien muss trotz der Haupthaus-Schließung keines der angemeldeten Kinder zu Hause bleiben. Nach MZ-Informationen würden andere Räume hergerichtet und dort Betten aufgestellt. Für einige Jugendgruppen aus anderen Regionen soll abgesprochen sein, dass für sie Zelte der Jugendfeuerwehr aufgebaut werden. Unklar ist, was mit Anmeldungen für 2013 geschieht.