Merseburg: Aus dem Vatikan nach Merseburg

06.05.2012 18:01 Uhr | Aktualisiert 06.05.2012 20:52 Uhr
Drucken per Mail
Letzte Proben vor dem großen Auftritt

Letzte Proben vor dem großen Auftritt am Freitag im Merseburger Dom. (FOTO: PETER WÖLK)

Von Hans-Hubert Werner
Zum Auftakt der diesjährigen Reihe der Merseburger DomMusiken erklingt am 11. Mai um 20 Uhr Felix Mendelssohn-Bartholdys großartige Sinfoniekantate "Lobgesang".
Merseburg/MZ. 

Die Domkantorei Merseburg und die Jenaer Philharmonie unter der Leitung von Kantor Stefan Mücksch setzen zusammen mit Domorganist Michael Schönheit und namhaften Solisten (Martina Rüping, Annett Wrusch, Tobias Hunger) gleich einen Höhepunkt in der von der Stadt Merseburg getragenen Konzertreihe.

Kürzlich erst war das Leipziger Gewandhausorchester mit großem Choraufgebot und dem Domorganisten Michael Schönheit im Vatikan zu Gast und schenkte Papst Benedikt zu seinem 85. Geburtstag eine Aufführung von Mendelssohns "Lobgesang".

Nun ist diese Sinfoniekantate im Dom zu erleben, die rund 80 Sängerinnen und Sänger der Domkantorei bereiten sich seit Wochen intensiv auf diese Aufführung vor. Das Jahr 2012 steht (zumindest in Deutschland) musikalisch unter dem Motto "Reformation und Musik" und soll auf eine Wechselwirkung aufmerksam machen: Wie durch die Musik (vor allem durch das evangelische Kirchenlied) die Ideen der Reformation verbreitet wurden und wie die Reformation vor allem Komponisten (hier besonders Schütz, Bach und eben Mendelssohn) in ihrem Schaffen beeinflusst hat.

Mendelssohn schrieb seine 2. Sinfonie - die Uraufführung war 1840 in der Leipziger Thomaskirche - aus Anlass der 300-jährigen Wiederkehr der Erfindung des Buchdrucks durch Johann Gutenberg. Dadurch konnte Luthers Bibelübersetzung beliebig oft und viel verbreitet werden. Nachdem der damalige Gewandhauskapellmeister Mendelssohn bereits eine "Reformationssinfonie" komponiert hatte, ist seine 2. Sinfonie ein weiteres großes Orchesterwerk, in dem sich der Komponist mit Ideen der Reformation auseinander setzt. Ursprünglich gar nicht mit einem Chorsatz konzipiert, ist nun gerade dieser vokale Schlusssatz (ähnlich wie in Beethovens 9. Sinfonie) die zentrale Botschaft des Werkes. Die ersten drei Sätze der Sinfonie werden ohne Unterbrechung gespielt. Doch sie sind "nur" eine Vorbereitung, in dem das Mottothema "Alles was Odem hat, lobe den Herrn" bereits mehrfach angedeutet wird, bevor es vom Chor aufgegriffen wird und sich zu einem Hymnus aufschwingt.

Neben der Sinfoniekantate Mendelssohns erklingt noch ein weiteres opulentes Chorwerk eines Zeitgenossen Mendelssohns, Otto Nicolais Kirchliche Festouvertüre über den Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" und Orgelmusik von Max Reger.

Der Kartenvorverkauf (18 bzw. erm. 15 Euro) in der Touristinformation in der Burgstraße hat bereits begonnen. Die Sitzplätze im Dom sind nummeriert, keine freie Platzwahl möglich.