Merseburg: Gegen Behinderung von Behinderten

14.05.2012 17:57 Uhr | Aktualisiert 14.05.2012 18:53 Uhr
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Von UNDINE FREYBERG
Das "Bündnis für Inklusion", das Saalekreis und Burgenlandkreis gegründet haben hat zum Ziel behinderte Menschen nicht nur zu fördern und zu akzeptieren, sondern die Gesellschaft so zu verändern, dass sie Menschen mit Behinderung nicht behindert.
MERSEBURG/MZ. 

"Nicht jeder Behinderte möchte in einer geschützten Werkstatt arbeiten. Kein Kind darf von vornherein vom regelhaften Schulunterricht ausgeschlossen werden - zum Beispiel durch Unterbringung in einer Sonder- oder Förderschule", erklärt Verena Späthe, behindertenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und seit 3. Mai die stellvertretende Vorsitzende des "Bündnisses für Inklusion", das Saalekreis und Burgenlandkreis gegründet haben. Das Ziel: behinderte Menschen nicht nur zu fördern und zu akzeptieren, sondern die Gesellschaft so zu verändern, dass sie Menschen mit Behinderung nicht behindert. So fordert es die UN-Behindertenrechtskonvention, die 2009 unterzeichnet wurde und seitdem auch Bundesrecht ist. Jetzt gilt es diese Forderung umzusetzen "Das bedeutet, dass die ganze Gesellschaft umdenken muss", sagt Späthe nachdenklich.

Sie persönlich wünsche sich zum Beispiel, dass man sowohl Architekten, Baubüros, Projektanten, aber auch Ärzte für das Thema sensibilisieren könnte. Denn Barrierefreiheit sei natürlich ein Teilziel. "Das Paradebeispiel: Eine Frau im Rollstuhl muss beispielsweise zum Frauenarzt - da wird es schon schwierig", sagt Späthe . "Oder - ein kleines Mädchen, das eine kleine Behinderung hat, möchte im Verein Sport machen." Die Antwort vom Verein sei gewesen: Wir haben aber keine Behindertensportgruppe. "Warum kann das Mädchen nicht einfach mit Gleichaltrigen einer Sportart nachgehen und Spaß haben?" Das sind nur einige von vielen Fragen, mit denen sich das neugegründete Bündnis sicher beschäftigen wird. "Und eins wird Inklusion mit Sicherheit nicht - bequem." Trotzdem packt Verena Späthe die Sache mit einem Lächeln an. "Allerdings kann man Umdenken eben nicht per Gesetz verfügen - das braucht seine Zeit und viele Menschen die mithelfen und etwas verändern wollen."

Der Burgenlandkreis sei im Vorteil, da es dort mit Ines Prassler eine fest angestellte Behindertenbeauftragte gibt, die sowohl Ansprechpartner für Behinderte und Angehörige als auch Kontaktfrau bei Bauprojekten ist. Späthe: "Auch die Stadt Halle hat einen Behindertenbeauftragten, und es muss unser Ziel sein, auch den Kreistag des Saalekreises zu überzeugen, dass eine solche Stelle nötig ist, um auch hier die UN-Konvention erfolgreich umzusetzen." Derzeit kümmere sich eine Mitarbeiterin des Sozialamtes ehrenamtlich um die Probleme der Behinderten.