Das Herzstück: Eine Urkunde, die die Gründung des Bistums belegt. (FOTO: MZ)
Ruhig ist es im Kreuzgang des Merseburger Doms. Aus dem Schiff des Gotteshauses erklingen die letzten Töne des sonntäglichen Gottesdienstes - es ist kurz nach elf Uhr. Ein einzelnes Ehepaar ist etwas ratlos auf der Suche nach dem Zauberspruchgewölbe. Nur wenige interessieren sich hingegen für die Sonderschau zum Wirken von Kaiser Otto I. in Merseburg, die seit Sonnabend zu sehen ist - ganze 51 Karten wurden am Wochenende verkauft. Es ist einer von sieben Korrespondenzorten zur großen Landesausstellung, die Ende August in Magdeburg eröffnet wird.
Historisch einmalige und wertvolle Dokumente werden gezeigt, teilweise erstmals in aller Öffentlichkeit. Doch eines fehlt: Besucher. Zwar sind hier und da ältere Paare zu sehen, doch an der Kasse herrscht kein Andrang. Joachim Mössner findet das gar nicht schlecht: "Hier hat man seine Ruhe, ohne große Touristenströme", freut sich der Direktor der Leipziger Universitätsklinik. Als wahres Kleinod schätzt er das Merseburger Ensemble aus Dom und Schloss ein. "Ich wohne seit 21 Jahren in Mitteldeutschland, aber Merseburg ist bisher völlig an mir vorübergegangen - schade eigentlich", meint Mössner. Seiner Meinung nach müsste für die Sehenswürdigkeiten der Stadt viel mehr Reklame gemacht werden.
Seine Frau Martina sieht den bisherigen Besuch des Doms nicht ganz so positiv. Am Thietmar-Brunnen schimpft sie: "Ständig muss man bezahlen, Eintrittsgeld und verschiedene Fotoerlaubnisse. Kein Wunder, dass so wenige Leute da sind."
In den Gewölben des Kulturhistorischen Museums schauen sich Peter und Birgit Adolph aus Markranstädt die Exponate an. "Wir waren schon oft hier, die Sonderausstellung ist allerdings etwas trocken", so der geschichtsbegeisterte 64-Jährige. Etliche Originaldokumente sind hier zu sehen. Der Besucher kann durch Übersetzungen blättern oder die strengen Regeln einer mittelalterlichen Urkunde nachvollziehen. Das geschriebene Wort steht hier eindeutig im Mittelpunkt. Eine interaktive Verknüpfung wie beispielsweise im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle gibt es hier nicht. Dass die Schau in den Rundgang des Kulturhistorischen Museums eingebettet ist, der eine Zeitreise von der Jungsteinzeit bis zum vergangenen Jahrhundert ermöglicht, ist aber sicher kein Nachteil.