Merseburg: Keine Aussicht auf Besserung am Brühl

03.08.2012 16:19 Uhr | Aktualisiert 03.08.2012 20:16 Uhr
Am «Brühl» ist meist gähnende Leere. (FOTO: MARCO JUNGHANS) 
Von Tilo Krippendorf
Weiterhin steht das Einkaufscenter "Brühl" in der Merseburger Innenstadt größtenteils leer. Zuletzt sprang wieder ein potenzieller Investor ab.
Drucken per Mail
Merseburg/MZ. 

Der heutige Citytag soll unter anderem die Innenstadt Merseburgs mit Leben erfüllen und die Einwohner zum Einkaufen animieren. Doch an einer Stelle wird dieses Unterfangen wohl aussichtslos sein: Die Einkaufspassage am Brühl ist weiterhin fast wie ausgestorben. Zwar wird das Parkhaus weiterhin rege von Anwohnern und Besuchern der Domstadt genutzt, doch sind diese zum Großteil nicht wegen der wenigen übrig gebliebenen Händler hier.

Das in den 90er-Jahren erbaute Einkaufscenter in der Merseburger Innenstadt steht nach wie vor größtenteils leer. In den Räumen der beiden oberen Etagen hatten sich in der Vergangenheit schon Arztpraxen und ein Restaurant angesiedelt. Heute sind dort nur noch gähnend leere Geschäftsräume. Nur eine private Nachhilfeschule hat seit langem hier ihren Sitz.

Ebenerdig sieht es nicht viel besser aus, nur wenige Geschäfte halten hier die Stellung. So herrscht im Schatten der Bäume im Innenhof des Karrees meist Friedhofsruhe.

"Wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt Merseburgs Bürgermeisterin Barbara Kaaden (parteilos). Dabei schimmerte im Frühjahr vergangenen Jahres ein Lichtblick am Horizont. Rückblick: Ein niedersächsischer Investor wollte dem "Brühl" zur neuen Blüte verhelfen. Probleme sah dieser damals vor allem in der geschlossenen Bauweise des Komplexes. Um die bauliche Enge zu durchbrechen, hatte er ursprünglich vor, das Parkhaus abreißen zu lassen. An der Stelle sollte ein Einkaufsmarkt entstehen, als "Ankermieter", wie es im Immobiliengeschäft heißt. Solche Händler dienen als Hauptmagnet für Kunden und sorgen für Laufkundschaft für kleinere Geschäfte in der Nachbarschaft. Bis vor wenigen Jahren gab es bereits einen Supermarkt im Erdgeschoss des Parkhauses. Doch seit der verschwand, geht es mit dem Brühl stetig bergab.

Doch nun sind die hoffnungsvollen Träume wieder mal geplatzt - der Investor hat sich zurückgezogen, weil die Erfolgsaussichten zu schlecht gewesen seien. Zwar habe er mit allen großen Supermarktketten Gespräche geführt, doch habe keine Interesse an dem Merseburger Einkaufszentrum gezeigt. Auch Bürgermeisterin Kaaden kann diese Standortproblematik bestätigen: "Merseburg hat mit seinen Discountern und Supermärkten schon mehr Verkaufsfläche pro Einwohner als im Bundesdurchschnitt." Das miese Investitionsklima am Standort sei zudem durch die Lage Merseburgs in der Nähe von Halle, Leipzig und dem Einkaufspark Nova Eventis bedingt.

Doch auch die Lage innerhalb der Stadt ist alles andere als ideal: In Richtung der belebteren Gotthardstraße ist neben dem Brühl eine große, mit Unkraut bewachsene Brachfläche. Direkt daneben liegt der Merseburger Marktplatz, der ebenfalls in zu viel Ruhe unterzugehen droht.

Die Hoffnung auf Besserung hat Christore Geisler fast aufgegeben. Sie betreibt eine Textilreinigung in einem kleinen Laden am Brühl. "Vielleicht sollte man mal vom Konzept eines Supermarktes als Ankermieter weg und etwas anderes für den Brühl auf die Beine stellen", meint Geisler. Zwar seien gerade viele ältere Leute unzufrieden mit der Einkaufssituation im Viertel, doch gibt sie indes Läden, die auf Laufkundschaft angewiesen seien, keine Chance am Standort.

So wird auch heute kaum jemand den Weg in das rosafarbene Karree am Brühl finden.