Merseburg: Leidenschaft für Servietten

21.05.2012 20:05 Uhr | Aktualisiert 21.05.2012 20:25 Uhr
Drucken per Mail
Serviette

Diese Serviette hatte nach Ansicht des Faltkünstlers Joan Sallas den Publikumswettbewerb gewonnen. Gefaltet wurde sie von Roswitha Hetzer aus Merseburg. (FOTO: MARCO JUNGHANS)

Von MARTIN WALTER
Seit dem 16. Jahrhundert gehört sie auf den Esstisch des europäischen Adels ebenso wie das Besteck. Und auch heute darf sie bei feierlichen Mahlzeiten und in Restaurants nicht fehlen, auch wenn sie inzwischen meist aus Zellstoff und nur noch selten aus Baumwolle besteht. Die Rede ist natürlich von der Serviette.
MERSEBURG/MZ. 

Magie des Mundtuches

Ein Mann hat sich dem Mundtuch und der Art, wie man es dekorativ faltet, ganz besonders verschrieben. Der 49-jährige Joan Sallas bezeichnet sich selbst als Faltforscher, Faltkünstler und Faltlehrer. Aufgewachsen ist er in Badalona, einer Stadt nahe Barcelona. "Seit ich sechs Jahre alt war, habe ich mit meinem Großvater gefaltet. Ich war jedes Mal begeistert wie er den Papiertüchern Leben einhauchte", erinnert sich der gebürtige Katalane, der seit 1995 in Freiburg im Breisgau wohnt und dort auch regelmäßig Faltkurse gibt. Außerdem hatte er schon Ausstellungen in diversen Museen und Galerien weltweit, wie zum Beispiel im Metropolitan Museum of Art in New York.

Ein Sammler seit zwölf Jahren

Umso erfreuter war Karin Heise, die Museumsleiterin des Kulturhistorischen Museums im Merseburger Schloss, solch eine Koryphäe auf dem Gebiet des Serviettenbrechens für die Ausstellung "Augenschmaus" gewinnen zu können "Ich bin froh mit Herrn Sallas zusammenarbeiten zu können. Die überdurchschnittlich hohen Besucherzahlen sprechen ebenfalls für das Interesse an seinen Werken", so Heise. "Joan Sallas sammelt seit zwölf Jahren Aufzeichnungen und Abbildungen von alten Serviettenfaltungen, die er selbst entschlüsselt, um die Objekte anschließend nachzufalten." Und so erwarten die Besucher zahlreiche beeindruckende Serviettenfiguren, wie den aus zwei Tüchern gefertigten Habsburger Doppeladler oder die Nachbildung eines Schlosses.

Am Sonntag war internationaler Museumstag, an dem auch das kulturhistorische Museum Merseburg teilnahm. Neben einem Familienprogramm auf dem Schlosshof, wo man beispielsweise Knüppelkuchen essen und sein Können beim Zielwerfen unter Beweis stellen konnte, war Sallas persönlich erschienen, um seine Faltkünste vorzuführen und sie dem interessierten Publikum zu erklären. Sehr schnell falteten die Gäste unter seiner Aufsicht Papierkreisel und weitere relativ leicht erlernbare Objekte.

Nach seinem Einführungskurs prämierte Sallas die Faltkreationen, die die Besucher der Ausstellung einreichen konnten. Die Gewinnerin Roswitha Hetzer bekam das Buch "Gefaltete Schönheit" während der Zweit- und Drittplatzierte je eine DVD von Sallas gewannen. An Erfahrung dazu gewonnen haben auf jeden Fall alle 50 Teilnehmer, die so ihre Gäste zu Hause demnächst mit einem ganz besonderen Augenschmaus auf dem Esstisch erfreuen können.